TimetunnelEine Zeitreise in die Vergangenheit … die Zeittafel der Machtergreifung 1933 … Parallelen zum Heute entdecken
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Eröffnung Star-ClubPlakat zur Eröffnung des Star-Club am 13. April 1962 – Foto: Kiec EintrittskarteEintrittskarte zur Eröffnungsveranstaltung am 13. April 1062 – Foto: Kieck Star-Club ausgebranntBlick auf den ausgebrannten Star-Club Ende der 1980er Jahre – Foto: Kieck

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Wolfgang Kieck

Fußball, Bier und Rock ’n’ Roll

Fußball habe ich zwar nie gespielt, war damals in den 1960er Jahren aber immerhin als Zuschauer aktiv. Bier habe ich schon getrunken und Rock ’n’ Roll war sowieso allgegenwärtig.

Mein Freund und Lehrkollege spielte beim FC Ahrensburg Fußball, so wurde ich zum Schlachtenbummler und bekam Freud und Leid der Spieler aus nächster Nähe mit. Nach jedem Spiel wurde dann im Vereinslokal der Spielverlauf einer genauen Analyse unterzogen. Das stellte sich so dar, dass bei einem gewonnenen Spiel der Sieg mit reichlich Bier begossen, und bei einer Niederlage der Frust mit Bier heruntergespült wurde. Am schlimmsten war es aber, wenn der „Stiefel“ kam. Wenn dieses mit Bier gefüllte Objekt auftauchte, versuchte ich möglichst, meinen Platz für einige Zeit zu verlassen. Bier aus diesem Schlabberpott? Nein Danke!

Am Wochenende war natürlich auch der Besuch im „Beat-Schuppen“ angesagt. Disco sagte man damals noch nicht. Es waren ja auch noch jede Menge Live-Bands unterwegs. Sogar draußen in Ahrensburg. An meinem damaligen Wohnort in Hamburg-Barmbek war sowieso kein Mangel an einschlägigen Lokalen wie beispielsweise „Big Apple“, „Fürstenhof“, „Ballhaus Barmbek“ oder in Bramfeld das beliebte „Cleopatra“. Hier gab es immer kräftig was „auf die Ohren“, und Auge und Tanzbein waren auch gut versorgt.

Der Höhepunkt des Vergnügens war dann aber der Besuch im „Star Club“ auf der Großen Freiheit. Wir waren schwer beeindruckt, so etwas hatten wir noch nicht erlebt. Für das normale Musikprogramm, neben anderen mit den „Rattles“ oder der aus Liverpool kommenden Mädchenband „The Liverbirds“ war man mit zwei D-Mark Eintritt dabei. Ich hüte noch heute eine Eintrittskarte aus dem Jahre 1963. Die bekannteren Künstler waren so billig natürlich nicht zu haben. Aber trotz kleinerem Verdienst sicher kein Vergleich zu den Preisen, die heute aufgerufen werden. So haben wir im Jahre 1965 in der Ernst Merck Halle, mittlere Preisklasse, für die „Rolling Stones“ noch 12 D-Mark bezahlt. Wobei von der Musik allerdings nicht viel zu hören war. Sie wurde übertönt von hunderten, meist weiblichen, kreischenden Fans.

Die Ernst Merck Halle wurde dann für mich auch ein beliebtes Ziel, um die wachsende Zahl der Oldtime-Jazzbands zu hören. So habe ich kaum ein Konzert von „Chris Barbers Jazzband“ ausgelassen. Diese Band, besonders nach ihrem Benefizkonzert anlässlich der Sturmflut 1962, war sicherlich eine der beliebtesten in der Hansestadt. Auch der Besuch im „Cotton Club“ in der Hamburger Neustadt war für den Jazzfreund ein Muss. Angenehme Atmosphäre und gute Musik machten den Besuch immer zu einem besonderen Erlebnis.

Und Schallplatten haben wir gesammelt. Zuerst Singles, später auch LP‘s und ab und zu verirrte sich auch mal eine 78erSchallplatten mit 78 Umdrehungen pro Minute nennt man Schellackplatten oder umgangssprachlich 78er. Sie waren von etwa 1900 bis in die 1950er-Jahre der weltweite Standard für Tonträger, bevor moderne Vinyl-Schallplatten mit 33⅓ und 45 Umdrehungen den Markt übernahmen.Redaktion, Margot Bintig Schellackplatte in die Sammlung. Diese antiken Stücke hielten aber meist nicht lange und gehören heute sicher zu den gesuchten Raritäten. Was war man glücklich, wieder einmal eine Scheibe von Elvis oder Bill Haley ergattert zu haben.

Zu diesem Thema zwei kleine Begebenheiten aus den 1950er Jahren: Treffen bei einem Freund, welcher uns sogleich seine neuste Errungenschaft auflegte, „Die Farbe der Liebe“ von Paul Kuhn, wir waren begeistert. Oder: Schallplattenkauf, mein Vater war dabei. Hinein in den Laden, Wunsch geäußert, und sogleich wurde man in ein Kabäuschen geführt, wo die gewünschte Platte in fast voller Lautstärke abgespielt wurde. Mein Vater wäre fast vom Hocker gefallen, handelte es sich doch um „Tutti Frutti“ von Little Richard, enthielt sich aber eines längeren Kommentars.

Aber noch einmal zurück nach St. Pauli. Nach dem Besuch des „Star Clubs“ ging es gleich nach nebenan in die „Monika Bar“, wo die Damen keine Damen sind. Auch mal was Neues! Selbstverständlich ging es auch in andere Etablissements oder Kneipen wie „Top Ten“, „Lehmitz“, „Silbersack“ oder es wurde ganz solide das „Zillertal“ in Augenschein genommen. Aber egal wo man gewesen war, oft suchte sich das teuer erkaufte Bier wieder seinen Weg nach draußen – und das nicht immer auf dem richtigen Wege.

Nicht vergessen darf ich unseren ersten Besuch in einem Striptease-Lokal. Es war im „Kolibri“ auf der Großen Freiheit. Mit einem kleinen Herrengedeck für zehn D-Mark war man dabei. Und dann ganz gesittet: Vorhang auf, da stand die Dame wie damals Eva, möglichst regungslos, und Vorhang zu! So war das zu dieser Zeit.

Und der Star Club? Ende der 1980er Jahre war ich einmal zwecks Krankenbesuchs in der Endo-Klinik an der Holstenstraße. Hier wollt‘ ich dann auch mal kurz die Aussicht von der Dachterrasse genießen und hatte überraschenderweise den Blick in den ausgebrannten Star Club.

Ja, alles ändert sich und löst sich in Erinnerungen auf. Und ich glaube, die Dame aus dem „Kolibri“ steht auch nicht mehr auf der Bühne.


  • Autor: Wolfgang Kieck, 5. August 2026
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