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>Gefreiter Wolters 1957Gefreiter Wolters 1957


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Hängolin im Tee

Leider bin ich zehn Tage zu spät geboren worden. Andernfalls hätte ich zu den weißen JahrgängenWeißer Jahrgang ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für Geburtsjahrgänge der Generation von Männern, die wegen nicht bestehender Wehrpflicht keinen (Grund-) Wehrdienst leisten müssen oder mussten.Klick für Wikipedia gehört. Diese Männer wurden zwischen 1929 (Stichtag für Deutschland: 1. Januar 1929) und 1937 (Stichtag für Deutschland: 30. Juni 1937) geboren und waren für den Militärdienst in der Wehrmacht noch zu jung gewesen und für den Dienst in der neuen BundeswehrDie Bundeswehr ist das Militär der Bundesrepublik Deutschland.Klick für Wikipedia beziehungsweise im Österreichischen Bundesheer bereits zu alt. Mein Jahrgang (Geburtsdatum ab 1.7.1937) war der erste, der nach Einführung der Wehrpflicht durch Gesetz vom 7.Juli 1956 zur neuen Bundeswehr eingezogen wurde.

Im Frühjahr 1957 hatte ich gerade erfolgreich meine Buchdruckerlehre beendet, als ich den Musterungsbescheid von der Bundeswehr erhielt. Die Musterung fand im Gasthaus Gildehof in Goslar statt. Ich wurde gründlich ärztlich untersucht und für tauglich befunden. Damals betrug die Wehrpflicht nur zwölf Monate, wegen der besseren Bezahlung wollte ich mich aber für achtzehn Monate verpflichten. Im November 1957 wurde ich eingezogen und begann meine Wehrpflichtzeit beim Luftwaffenausbildungsregiment in Bückeburg bei Hannover. Dort fand die Grundausbildung statt. Nach drei Wochen in der Kaserne konnten wir uns schon als Soldaten bewegen, das heißt marschieren, richtig grüßen, und bekamen zum ersten Mal Ausgang. Meiner damaligen Freundin hatte ich Bescheid gesagt, sie kam angereist und nahm sich ein Hotelzimmer. Wir verabredeten uns und gingen sofort aufs Zimmer. Wir waren beide ausgehungert und gingen gleich zur Sache. Ich war spitz wie Lumpi, aber leider war die Hose tot – aus die Maus. Die Enttäuschung war groß, trotz aller Bemühungen lief nichts. Am nächsten Tag fuhr meine Freundin enttäuscht nach Hause, und ich schlich zurück in die Kaserne.

In den nächsten Tagen hatten wir Sanitätsunterricht. Die verheirateten Kameraden beschwerten sich bitterlich beim Oberstabsarzt über das nämliche Thema, in den Betten lief auch bei ihnen nichts. Der Oberstabsarzt wiegelte ab und behauptete, die Umstellung auf das Soldatenleben könnte damit zusammenhängen. Unter den Kameraden wurde indes gemunkelt, dass der schäumende Tee in der Kantine schuld an dem Problem sein könnte. Wir hatten die Verantwortlichen im Verdacht, dass dort HängolinHängolin bezeichnet ein nicht näher beschriebenes Anaphrodisiakum oder Beruhigungsmittel, welches angeblich der Verpflegung männlicher Soldaten, Gefängnisinsassen oder Internatsbewohner beigemischt wurde, um deren Libido und/oder Erektionsfähigkeit zu senken. Als Gründe für die Verabreichung werden Konfliktvermeidung, Verhinderung homosexueller Praktiken und Masturbation sowie Minderung des sexuellen Leidensdruckes angeführt. Nach gängiger Meinung ist die Geschichte um Hängolin als moderne Sage einzustufen.Klick für Wikipedia zugesetzt wurde. Denn es war nicht normal, wie der Tee schäumte. Daraufhin habe ich keinen Tee mehr getrunken, sondern mir teure, abgepackte Milch gekauft. Das war bei einem Sold von zwei D-Mark am Tag eine bittere Einschränkung.

Als wir dann das erste Mal nach Hause fahren durften, hatte sich dieses Problem gelöst. Als ich zurückkam, baute sich jedoch ein anderes Problem auf. Wir sollten um 22 Uhr in der Kaserne sein, der Zug aus Goslar kam allerdings erst um 22 Uhr in Bückeburg an und ich musste noch zur Kaserne laufen, so dass ich erst um 22.20 Uhr eintraf. Dort wurde ich schon erwartet. In Konsequenz dieser Verfehlung wurde die ganze Kompanie, 100 Mann, am nächsten Morgen schon um fünf Uhr, also eine Stunde früher als üblich, zum Appell herausgepfiffen. Der Hauptmann persönlich stellte sich vor die Kompanie. Ich musste vortreten und wurde öffentlich niedergemacht. Flieger Wolters war von da an in aller Munde, und wenn irgendetwas zu beanstanden war, war ich es. Zum Beispiel hat der Spieß bei der samstäglichen Spindkontrolle bei mir alles besonders kritisch begutachtet und immer irgendetwas gefunden, was ich dann aufwendig wieder herrichten musste. Aber immerhin habe ich dort gelernt, wie man ordentlich seine Sachen in den Schrank packt. Meine Frau sagt noch heute, es sieht bei mir im Schrank aus wie bei den Soldaten, während bei ihr eine fröhliche Unordnung herrscht. Jedenfalls habe ich daraufhin meine Verpflichtung für das zusätzliche halbe Jahr nicht mehr unterschrieben.

Nach der Grundausbildung wurde ich nach Münster in das Kommando Nord der Luftwaffe versetzt. Dort hat sich mit den Kameraden eine schöne Verbundenheit entwickelt. Noch viele Jahre haben Wir 20, die ersten zwanzig Rekruten der Luftwaffe in Bückeburg, uns getroffen und sogar in der alten Kaserne in Münster übernachtet.

  • Autor: Dietrich Wolters, 18. März 2021
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