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Weihnachten im Wandel der Zeit

Weihnachten 1950

Ich war vier Jahre alt und wartete aufgeregt und voller Vorfreude auf das Christkind. Den Tag verbrachte ich bei Onkel und Tante, mit denen ich nach Einbruch der Dämmerung nach Hause ging.

Im Wohn-Schlafzimmer meiner Eltern stand ein kleiner Lametta geschmückter Christbaum, an dem echte Kerzen leuchteten. Die ganze Familie war dort versammelt, Oma, Opa, Onkel und Tanten – sogar Tante Lisbeth, die keiner so wirklich mochte, aber man konnte sie Heiligabend nicht alleine lassen. Es waren mehr Menschen versammelt, als eigentlich Platz im Raum war.

Doch direkt neben dem Tannenbaum war noch Raum für einen kleinen Kaufmannsladen. Dessen Schubladen waren gefüllt mit kleinen bunten Zuckerpastillen, es gab eine Kasse mit Spielgeld und eine Balkenwaage mit Gewichten. Am besten waren die kleinen Würstchen, die frisch vom Metzger kamen. Diese verkaufte ich im Laufe des Abends an alle Anwesenden. Ich war glücklich.

15 Jahre später:

Ich war jung verheiratet und wir standen vor der Frage: Gehen wir Weihnachten zu deinen oder zu meinen Eltern? Gemeinsames Feiern kam nicht in Frage, denn beide Familien hatten wenig gemeinsam. Von dem großen Gästekreis aus meiner Kinderweihnacht waren nur noch wenige unter uns.

Weitere 5 Jahre später:

Die Frage, mit wem wir Weihnachten verbringen, hatte sich erledigt. Ein Kind war geboren. Der einzige Nachwuchs seit langer Zeit brachte die Familien zusammen. Nun kamen am Heiligabend alle zu uns nach Hause und wollten die strahlenden Kinderaugen unter dem Weihnachtsbaum sehen. Und alle brachten Geschenke mit. Ein liebevoll verpacktes Paket war größer als das andere.

Für mich war Weihnachten und die Vorweihnachtszeit eine schöne, aber nicht nur besinnliche, sondern auch eine anstrengende Zeit:

Adventskalender, Adventskranz und Sterne basteln, Weihnachtsgeschenke für alle besorgen und verpacken, Plätzchen backen, Weihnachtsmarkt besuchen, Weihnachtsessen planen, vorbereiten und kochen, Baum aussuchen und schmücken, einkaufen für die kommenden Feiertage, bevor die Familie kam, nochmal gründlich sauber machen – und vor allem: Immer fröhlich sein.

Weitere 10 Jahre später:

Wir lebten nun in einer anderen Stadt. Als meine Mutter Witwe wurde, zog sie es vor, ihren Lebensabend im Süden, am Meer zu verbringen. Die anderen Großeltern waren verstorben. Weihnachten waren mein Mann, meine Tochter und ich nun alleine. Wir planten das Fest diesmal in den Bergen, im Schnee zu verbringen. Leider konnten wir erst am ersten Weihnachtsfeiertag fahren, weil meine Tochter erfolgreich darauf bestand, Heiligabend zu Hause zu verbringen. So feierten wir in froher Dreisamkeit Weihnachten zu Hause unter einem großen, festlich geschmückten und strahlenden Tannenbaum. Der Baum strahlte nur einen Abend. Als wir in der zweiten Januarwoche nach Hause kamen, landete er wie alle anderen auf der Straße, zum Abholen durch die Müllentsorgung.

Weitere 10 Jahre später

Unsere Tochter hatte die Schule und die Ausbildung beendet und verbrachte anschließend einige Zeit im Ausland. Mein Mann und ich waren Weihnachten allein und ohne Verpflichtungen. Wir besuchten mehrmals meine Mutter im Süden und verbrachten Weihnachten am Strand. Weihnachtliche Besinnlichkeit wollte sich hier nicht einstellen, aber wir genossen es, dem heimatlichen Schmuddelwetter zu entkommen.

Weitere 10 Jahre später

Die Frage, wo und mit wem wir Weihnachten verbringen, hatte sich erledigt. Ein Kind war geboren. Unser erstes Enkelkind. Nun waren wir bei unserer Tochter und dem Schwiegersohn eingeladen. Wir wollten die strahlenden Kinderaugen unter dem Weihnachtsbaum sehen. Es gab auch viele Geschenke. Ein liebevoll verpacktes Paket war größer als das andere.

Für meine Tochter war nun Weihnachten und die Vorweihnachtszeit eine schöne, aber nicht nur besinnliche, sondern auch anstrengende Zeit:
Adventskalender, Adventskranz und Sterne basteln, und so weiter, und so weiter …

So ging es viele Jahre weiter, es kam noch ein zweites Enkelkind dazu, es gab Veränderungen, aber Heiligabend waren wir alle zusammen.

Weihnachten in diesem Jahr

Die Enkelkinder sind erwachsen und gehen ihre eigenen Wege. Der erste Enkel lebt schon in einer anderen Stadt. Aber am Heiligen Abend kommen wir alle zusammen.

Wie lange noch?