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Was mir in Coronazeiten einfällt:
Früher hat man mehr gesungen

Seit bald acht Wochen lebe ich nun in Corona-Quarantäne – naja, mehr oder weniger. Zum Teil freiwillig, zum Teil verordnet. Seitdem ich nun überwiegend, doch wider Willen, viel zuhause bin, besteht mein Alltag zu einem großen Teil aus Musik. Denn  ich bin eigentlich ein sehr umtriebiger Mensch und habe viele Interessen.

Meine morgendliche Rettung ist seit einiger Zeit das Einsingen mit Stimmtuul. Unter der Woche machen zwei schöne Schweizer Chorleiterinnen und am Sonntag ein schöner Schweizer Chorleiter live um 9 Uhr auf YouTube Atem-, Körper- und Einsingübungen. Das tut richtig gut. Gegen Ende wird immer ein Kanon eingeübt, und dann singt man immerhin zweistimmig. Wenn mein lieber Mann den Kanon kennt, wie zum Beispiel Froh zu sein bedarf es wenig, dann singen wir sogar dreistimmig. Es macht mir riesigen Spaß, und danach bin ich gut eingestimmt für den Tag. Manchmal bleibe ich vor dem PC sitzen und singe weiter. Es gibt viele Kanon-Einspielungen, ich liebe besonders Dona nobis pacem und Alles schweiget.

Heute beim Frühstück habe ich mich mit meinem Mann über diese Freude beim Singen unterhalten und meinte, dass die Menschen früher mehr gesungenDen Eindruck habe ich ich auch;
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von Hartmut Kennhöfer Klick
hätten. Er pflichtete mir bei und erinnerte sich daran, dass früher in seiner Druckerei, er hat Buchdrucker gelernt, die Frauen beim Zusammentragen der Druckwerke viel gesungen hatten. Überwiegend Volkslieder. Aber das war in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, heute ist das leider aus der Mode gekommen. Dabei macht Singen glücklich!

Leider ist das Singen im Chor in Coronazeiten gefährlich. In den USA hat ein ChorDamals trafen sich in der Kleinstadt Mount Vernon nördlich von Seattle 61 Chormitglieder in einer Kirche. Aus der harmlosen Chorprobe wurde dann ein Superspreader-Ereignis. So nennen Virologen den Vorgang, wenn eine mit dem Virus infizierte Person überproportional viele Mitmenschen ansteckt.
Obwohl Desinfektionsmittel bereitstanden und alle auf die Abstandsregeln achteten, steckte ein einziger Chorsänger mit Covid-19-Symptomen ganze 52 seiner Mitsänger an. Drei mussten ins Krankenhaus, zwei starben.
mit einundsechzig Mitgliedern in einer Kirche mit Abstand und ohne Umarmungen und Händeschütteln gesungen. Später wurde festgestellt, dass sich 52 Menschen mit Corona infiziert hatten, zwei sind gestorben. Meine beiden Chöre werden sich wohl auf sehr lange Zeit noch nicht wieder zum gemeinsamen Singen treffen können.

Aber es gibt ja noch Instrumente. Ich flöte  gern, normalerweise spiele ich in zwei Flötenkreisen. Seit diese wegen Corona nicht mehr stattfinden, flöte ich allein. Das macht aber nicht ganz so viel Spaß. Umso glücklicher war ich, als neulich eine Freundin mit ihrer Altblockflöte zu Besuch kam und wir auf der Terrasse spielen konnten. Vorschriftsmäßig mit Abstand. Weil es so windig war, habe ich meinen Notenständer ins Zimmer gestellt, meine Freundin saß draußen und spielte auswendig. Was haben wir gespielt? Kanons. Eine Riesengaudi.

Echt schade, dass meine liebsten Hobbys so mit Spucken verbunden sind, echte Spuckhobbys. Ich fürchte, dass es noch ein Weilchen dauern wird, bis diese wieder allgemein zugelassen werden. Aber umso mehr freue ich mich darauf, wenn es wieder losgeht. Bis dahin bleibe ich vernünftig und zügele meine Ungeduld.