© Copyright by Erinnerungswerkstatt Norderstedt 2004 - 2020
https://ewnor.de / http://www.erinnerungswerkstatt-norderstedt.de
Ausdruck nur als Leseprobe zum persönlichen Gebrauch, weitergehende Nutzung oder Weitergabe in jeglicher Form nur mit dem schriftlichem Einverständnis der Urheber!
 zurück zur Normalansicht 

Eine besondere Kanu Geschichte

Wir hatten August 1943 in Hamburg. Das Wetter war schön und es gab an diesem Tag keine Luftangriffe.

Harald, mein Cousin, und ich, beide dreizehn Jahre alt, hatten eine Idee. Wir wollten uns ein Ruderboot mieten. Wir fuhren also mit den Fahrrädern von der Alsterdorfer Straße 235, wo ich wohnte, zur Bootswerft und Bootsverleih Thöns am Ratsmühlendamm. Herr Thöns kannte mich durch einen Klassenfreund, der sich dort ein Kanu bauen ließ. Er gab uns kostenfrei ein Ruderboot mit dem Hinweis, damit nur auf dem oberen Alsterlauf zu rudern.

Nun ging es los. Harald ruderte, ich saß hinten im Boot und übernahm mündlich die Richtungsangaben, denn ein Steuer hatte das Ruderboot nicht. Nach ungefähr einer halben Stunde rudern, sahen wir auf einem Grundstück eine ausgebrannte Villa. Auf diesem Grundstück lag nahe am Wasser ein Kanu, das in einem schlechten äußeren Zustand war. Wir kamen nun auf den Gedanken, uns dieses Kanu anzueignen, denn es schien so, dass sich niemand für das Boot interessierte.

Zunächst beobachteten wir längere Zeit die Umgebung und prüften, ob wir bemerkt worden waren. Doch die Luft war rein. So zogen wir das Kanu ins Wasser und banden es an unser Ruderboot. Harald stieg ins Kanu und ich ruderte das Gespann Richtung Bootshaus. Bevor wir dort ankamen, haben wir das Kanu abseits an Land gezogen, um es später zu holen.

Nach Abgabe des Ruderbootes fuhren wir mit den Fahrrädern zur Ohlsdorfer Straße in Winterhude. Dort hatte Haralds Opa ein Baugeschäft mit Lagerplatz für Mauersteine, Zement und Sand. Wir fragten Opa, ob wir seine Schott’sche Karre, das ist eine mit großen Wagenrädern versehene Transportkarre, nehmen dürfen. Opa fragte gar nicht, wofür wir diese brauchen würden. Nachdem wir seine Zusage hatten, schoben wir mit der Karre ab nach Fuhlsbüttel zum Ratsmühlendamm. Am Kanu angekommen luden wir es auf die Karre und fuhren zu mir nach Alsterdorf auf den Hof unserer Wohnung.

Meine Mutter sah uns kommen und befragte uns nach der Herkunft des Bootes. Wir sagten, wir hätten das Kanu an der Alster gefunden. Aber das glaubte sie uns nicht und bestand darauf, dass wir es sofort dorthin zurückbringen, wo wir es gefunden hatten. Wir beiden wurden immer kleiner und zogen mit Karre und Boot vom Hof. Aber wo nun hin mit dem Boot? Wir kamen auf die Idee, zur Dammbrücke über die Alster am Alsterdorfer Damm zu fahren, um das Boot dort loszuwerden. Aber wie nun? Ich schlug vor, das Boot einfach über das Brückengeländer in die Alster zu werfen. Und das führten wir auch so aus. Es gab durch den Aufprall des Bootes aufs Wasser einen sehr lauten Knall. Das Boot ist dann kieloben abgetrieben. Ein Passant hat uns bei dieser Aktion beobachtet und kam auf uns zu. Er fragte uns nach unseren Personalien, worauf wir ihm keine Antwort gaben. Der Herr sah dann das Namensschild vom Maurermeister Gevert an der Schott’schen Karre und notierte sich diese Adresse. Er drohte uns mit einer Anzeige.

Jetzt hatten wir aber Schiss in der Hose. Wir brachten die Karre bedrückt wieder zum Lagerplatz von Haralds Opa und verhielten uns in der nächsten Zeit still und unauffällig.

Zu der angedrohten Anzeige kam es zu unserem Glück nicht. Was wir wohl froh waren! Was haben wir aus dieser Aktion gelernt? Nie wieder solch einen Mist machen.