Alle Jahre wieder …
Pünktlich kurz nach Weihnachten entbrennt die altbekannte Debatte: Böllerverbot, ja oder nein? Dabei hätte man bereits am Anfang des Jahres darüber entscheiden können, wenn man denn gewollt hätte. Jetzt ist es zu spät, die Lager sind voll und das Feuerwerk will verkauft werden, um den Händlern zum Jahresende noch einen Riesengewinn zu bescheren.
Seit Jahren warnt die Wissenschaft vor den Folgen der Feinstaubbelastung, einer wesentlichen Komponente der Luftverschmutzung, die beim Abbrennen von Böllern und Feuerwerksraketen entsteht. Wir alle kennen das Phänomen aus der Silvesternacht: Kurz nach Mitternacht stehen wir im Nebel, weil die Luftfeuchtigkeit an den winzigen Partikeln, dem Feinstaub aus den Verbrennungsprozessen des Feuerwerks, kondensiert.
Hundebesitzer sorgen sich um ihre armen vierbeinigen Freunde, die bei jedem Knall aufschrecken und ab Verkaufsstart der Böller bis ins neue Jahr nicht zur Ruhe kommen. Das gilt auch für die vielen Wildtiere. Mir taten die armen Wildgänse leid, die auch in dieser Silvesternacht aufgeschreckt umherflogen und keinen ruhigen Ort fanden.
Am Neujahrsmorgen in den Nachrichten dann die alljährliche traurige Bilanz. Zwei Jugendliche haben sich mit selbstgebauten Böllern ums Leben gebracht, diverse abgesprengte Finger und Hände sind zu beklagen, Rettungskräfte, Feuerwehrleute und Polizisten sind mit Raketen beschossen worden. Und das Geld, mit dem so viel Gutes hätte bewirkt werden können, wenn es an die richtigen Stellen geflossen wäre, ist millionenfach sinnlos in die Luft geschossen worden. Verzichten ist schwer, kann man doch jetzt in der Silvesternacht eine Böllerbatterie ganz zufällig und aus Versehen so umkippen lassen, dass alle Mündungsrohre in Richtung des ungeliebten Nachbarn zeigen. Mal sehen, ob seine Wärmedämmfassade dem Beschuss standhält? In Crans-Montana, Wallis, Schweiz, entzündete in der Silvesternacht das Tischfeuerwerk die brennbare Deckenverkleidung. Der Brand wurde schlagartig zu einem Vollbrand, die Zahl der Opfer beläuft sich auf 40 Tote und 119 meist Schwerverletzte, größtenteils junge Erwachsene und Minderjährige. In Amsterdam brennt in der Silvesternacht die Vondelkirche ab.
Ausgerechnet dort, wo die Ärmsten der Stadt wohnen, türmen sich Berge von ausgebrannten Knallkörpern auf den Straßen. Am Neujahrsmorgen sieht man vereinzelt verkaterte Menschen, die den Müll von der Straße fegen. Die meisten lassen ihn aber dort liegen und überlassen das Wegräumen anderen, „die doch dafür bezahlt werden“, so lautet das Argument. In diesem Jahr kam am ersten Januar der Schnee und deckte den Unrat gnädig mit einer weißen Decke zu. Einige merkwürdig eckige Schneehaufen lassen erahnen, es könnten sich dort ausgebrannte, aufgestapelte Böllerbatterien unter der weißen Pracht verbergen, die von der Stadtreinigung nicht rechtzeitig vor Einsetzen des Schneefalls beseitigt werden konnten.
Nach der Klage eines FeuerwerkherstellersBerlin, den 11.12.2025 - Der Landkreis Nordfriesland hatte vollständige Verbote von Silvesterfeuerwerk für die Inseln Amrum und Föhr erlassen und sich dabei auf das Landesimmissionsschutzgesetz gestützt. In diesem Kontext hatte das gewerbliche bvpk-Mitglied Bothmer Pyrotechnik GmbH / proland.de ein Klageverfahren gegen den Kreis Nordfriesland angestrengt und im Eilverfahren Recht bekommen. Mit dem Urteil bestätigt das Gericht: Die Bundesgesetzgebung zu Feuerwerk ist abschließend. Dies ergibt sich bereits aus dem Grundgesetz (Art. 73 Abs. 12). Schon in den letzten Jahren waren Urteile mit ähnlichem Tenor ergangen, so z.B. am VGH Kassel (2016, Az.: 8 C 1136/15.N) und VGH Stuttgart (2023, Az. 1 K6859/23). hob ein Gericht das Böller-Verbot auf Amrum und Föhr auf. Insulaner und Reisende sind entsetzt, eine Online-Petition fand bereits Tausende Unterstützer. Überall dort, wo Geld im Spiel ist, scheint die Vernunft auf dem Rückzug zu sein und die Frage steht im Raum, welches das höhere Gut ist: Die Marge der Geschäftsleute oder die Gesundheit der Bevölkerung. Wie heißt es noch im Artikel 2 unseres Grundgesetzes? „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“ Und die Wissenschaft warnt weiter vor den Folgen der Feinstaubbelastung, das liest sich in den Untersuchungen der Weltgesundheitsbehörde so:
„Die Feinstaubpartikel lösen Entzündungen und Stress in menschlichen Zellen aus. Hält dies über einen längeren Zeitraum an, kann es zu Erkrankungen führen. Die langfristigen Effekte von Feinstaub (insbesondere PM2,5), die bei einer Belastung über Monate und Jahre entstehen, wirken sich auf die Atemwege (z. B. Asthma, verringertes Lungenwachstum, Bronchitis, Lungenkrebs), das Herz-Kreislaufsystem (z. B. Arteriosklerose, Bluthochdruck, Blutgerinnung), den Stoffwechsel (z. B. Diabetes Mellitus Typ 2) und das Nervensystem (z. B. Demenz) aus. Eine kurzfristige (Stunden oder Tage andauernde), hohe Belastung kann zu Bluthochdruck, Herzrhythmusvariabilität sowie Krankenhaus- und Notfalleinweisungen meist aufgrund von Herz-Kreislauferkrankungen führen. Insgesamt erhöht Feinstaub die Sterblichkeit.“
Ich freue mich schon auf das kommende Weihnachtsfest und die kurz davor aufkeimenden Debatten um ein Böllerverbot, und wieder mit gut gefüllten Feuerwerksvorräten in den Kellern der Geschäftsleute. Warum bekommen Justiz und Politik eigentlich nichts mehr gebacken? Seit Jahren wird mit ähnlichem Erfolg auch um die Abschaffung der Zeitverschiebung gerungen. Dass sich dort nichts bewegt liegt aber wahrscheinlich daran, dass die populär verwendeten Begriffe „Sommer- und Winterzeit“ völlig falsche Vorstellungen von „Zeit“ in den Köpfen entstehen lassen. Vielleicht hilft es, daran zu erinnern, dass als Normalzeit die von Licht und Helligkeit dominierte Zeit galt. Gemeint ist der Sonnenlauf, als MEZ, die Mitteleuropäische Zeit bekannt, und dahin wollen wir wieder zurück, weil der Sonnenlauf den Biorhythmus aller Lebewesen bestimmt. Mit der Silvesterknallerei verhält es sich ähnlich: Angesichts der Tatsache, dass Feinstaub krank macht und die Sterblichkeit erhöht, sollte privates Feuerwerk endgültig der Vergangenheit angehören.


