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Weihnachtsgeschichte(n)

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Randglosse:
Das abendländische Pferdefleischverbot

Papst Gregor III. erließ im Jahre 732 ein Verbot, Pferdefleisch zu essen. Experten sind sich uneins darüber, welcher Beweggrund dem Verbot zu Grunde lag: Für die einen richtete es sich vor allem gegen die Kultpraktiken der heidnischen Germanen, deren Christianisierung gerade im Gange war. Andere behaupten, es habe einen Engpass an Streitrössern gegeben und der Papst habe schlicht nicht gewollt, dass das wertvolle Kriegsmaterial im Kochtopf landete. Papst Gregors Verbot wurde von seinem Nachfolger Zacharias bestätigt. Bonifatius trug es in die Lande. Bei der Christianisierung der Isländer wurde ausdrücklich den Insulanern von der katholischen Kirche der Genuss von Pferdefleisch erlaubt; zu karg war das Leben auf der nördlichen Vulkaninsel, als dass man diese Fleischlieferanten der isländischen Küchenpraxis entziehen durfte.

Trotz des päpstlichen Verbotes war das Mittelalter nicht frei von Pferdefleischverzehr. Einige Schriftstücke bezeugen, dass das Fleisch wilder Pferde in Westfalen gerne von den ansässigen Mönchen gegessen wurde. Der Abdecker, der alte Pferde tötete, verkaufte deren Fleisch oft unter der Hand an die Armen und Hungernden.

Praktisch alle Kriege waren von schweren Hungersnöten gekennzeichnet. Pferdefleisch wurde dann zum umkämpften Luxus.

Im 19. Jahrhundert, in der Ära des Rationalismus, wurde das Pferdefleischverbot immer lauter hinterfragt. Prominente Befürworter wie der französische Militär-Veterinär Emile Decroix veranstalteten Schau-Bankette mit Pferdefleisch, um die Menschen vom Pferdefleischverzehr zu überzeugen. Es ging ihm einerseits um die armen Bevölkerungsschichten, die sich kein Fleisch leisten konnten und am Rande der Unterernährung lebten, und andererseits um die bis zum letzten Atemzug geschundenen Kutschpferde in den Großstädten. Wenn man es den Besitzern ermöglichte, ihre alten Pferde an den Schlachter zu verkaufen, würden die Tiere zeitig erlöst und man schaffte eine günstige, hochwertige Nahrungsquelle für die Arbeitermassen. Ein neben anderen Fleischarten gleichrangiges Nahrungsmittel wurde es bei uns jedoch nie, um 1825 heißt es in einem Naturkundebuch: Es soll nicht widrig schmecken, und im Fall der Noth hat man es auch schon oft in Europa genossen.
Trotz der massiven Proteste der traditionellen Schlachter einerseits und der betuchten Reiterklasse andererseits fiel schließlich das Verbot und die ersten Rossschlachtereien öffneten ihre Pforten. Ähnliche Bewegungen fanden überall in Europa statt. Nachhaltig setzte sich die Kultur des Pferdefleischgenusses aber zunächst nur in den französischsprachigen Ländern durch. In Frankreich lag der Höhepunkt des Pferdefleischverzehrs in den 1950er und 60er Jahren. Seither ist er stetig fallend und beträgt heute kaum mehr als zwei Prozent des gesamten Fleischverbrauchs. Pferdefleisch wird in Frankreich aber nach wie vor in den Fleischregalen praktisch aller Supermärkte angeboten. An der Kanalküste sind Pferdefleischereien verbreitet.

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Marlis Krogmann

Der beste Weihnachtsbraten!

Was ist eigentlich das Besondere in der Weihnachtszeit und am Weihnachtsfest in den Familien? Sicherlich wird in jeder Familie und jeder für sich selbst das Weihnachtsfest so gestalten, wie man es einmal kennen gelernt hat, bei seiner Familie und in vielen Familien wird die Tradition von den Großeltern über Eltern in die neuen jungen Familien getragen und jeder Partner bringt seine Tradition mit und dann wird gemischt. Sei es beim Ablauf des Heiligen Abends: Wird in die Kirche gegangen und wenn ja, wann? Wird erst die Bescherung vorgenommen oder wird erst gegessen. Muss unter dem Tannenbaum ein Gedicht aufgesagt werden, singt die Familie ein, zwei, drei oder gar kein Weihnachtslied? Wie werden die Weihnachtstage gestaltet mit der Familie, mit Freunden oder geht man auf die Piste, weil man den ganzen Rummel leid ist?

Also wie Sie auch immer Weihnachten verbringen, eins glaube ich, haben wir alle gemeinsam: Wir erinnern uns an vergangenen Weihnachten, Weihnachten in der Kindheit, Weihnachten als junge Familie und das letzte Weihnachtsfest - vielleicht - mit den Kindern und Kindeskindern.

Bei mir zu Hause wird noch sehr viel über Weihnachtserlebnisse aus der Vergangenheit erzählt und wie es dann so üblich ist, gibt es kleine Ereignisse, die jedes Jahr wieder erzählt werden, und so möchte ich Ihnen heute die Geschichte vom Weihnachtsbraten 1945 erzählen, eine Zeit, an die wir uns vielleicht noch alle erinnern, weil wir sie noch selbst erlebt haben.

Mein Vater war noch in der Kriegsgefangenschaft – ich hatte ihn noch nicht kennen gelernt.
Meine Mutter und ich wohnten bei meiner Großmutter in ihrem wunderschönen Reetdachhaus im Blankeneser Treppenviertel. Dieses Haus hatte eine große Diele von der drei Zimmer abgingen. Oma, Mutti und ich wohnten in dem größten Zimmer, eine Tante mit ihrem Mann in dem kleinsten Zimmer und ein ausgebombter Junggeselle von 60 Jahren im dritten Zimmer. Übrigens kein Zimmer war größer als 16 qm. Meine Mutter und ich waren im Sommer des Jahres 1945 aus der Evakurierung in die Lüneburger Heide zurückgekehrt und meine Mutter musste feststellen, dass ihr Kolonialwarengeschäft von einem Radio-Unternehmer beschlagnahmt worden war und ihr erst wieder am 1. Januar 1946 überlassen werden sollte.

So nun zum Weihnachtsbraten 1945 - in unserer damaligen WG war beschlossen worden, wie die Aufgaben zur Beschaffung von Essbarem zum Weihnachtsfest aufgeteilt werden sollten. Meiner Mutter war es aufgetragen worden, für Fleisch zu sorgen, das hieß in der damaligen Zeit, Beziehungen, Schwarzmarkt oder was auch immer, spielen zu lassen. Fünf Tage vor Weihnachten kam meine Mutter jubelnd nach Hause, sie hatte einen Rossbraten von einem Schlachter versprochen bekommen und sollte ihn am 23. Dezember abholen. Was ein Braten in dieser Zeit bedeutete, können wir uns noch vorstellen. Die Freude meiner Mutter wurde ganz schnell getrübt, denn meine Großmutter war entrüstet. Pferdefleisch würde sie niemals essen, dann lieber gar kein Fleisch, aber Pferdefleisch kommt bei ihr nicht in die Röhre, geschweige denn auf den Tisch. Die Überredungskünste unserer WG verhallten bei meiner Großmutter, sie ging sogar so weit, dass sie sagte, sie würde uns alle aus ihrem Hause vertreiben, wenn wir ihre Wünsche bezüglich des Pferdefleisches nicht akzeptierten. Meine Mutter war schrecklich unglücklich, weil sie keine andere Alternative hatte. Sie versprach aber, den Pferdebraten abzubestellen und zu versuchen, etwas anderes zu finden oder auch einzutauschen. Am 23. Dezember ging sie sehr früh aus dem Hause, um irgendwo einen Fleischausgleich zu ergattern. Spät am Abend kehrte sie mit strahlenden Augen zurück und präsentierte meiner Großmutter und unseren Mitbewohnern einen riesigen Rinderbraten von so einer wunderbaren Farbe, dass uns allen bei dem Gedanken an ein großes Stück Fleisch das Wasser im Munde zusammenlief.

Meine Großmutter war unwahrscheinlich beeindruckt über die Geschäftstüchtigkeit ihrer Tochter und sie versprach, ihre ganze Kochkunst in die Zubereitung dieses Bratens zu stecken. Sie können sich vielleicht vorstellen, wie wir am ersten Weihnachtstag 1945 geschwelgt haben. Jeder bekam eine große Scheibe Fleisch mit einer prächtigen Soße und es blieb auch noch etwas für den nächsten Tag übrig. Es war, als ob sich alle zum ersten Male seit vielen Monaten wieder richtig satt gegessen haben. Meine Mutter wurde gelobt für ihre Beschaffungskünste und meine Oma für ihre Kochkünste.

Unsere damalige WG verbrachte natürlich auch Silvester zusammen und nachdem wir um Null Uhr das neue Jahr mit einem Schluck Selbstgebrannten angestoßen hatten, sagte meine Mutter: Es ist ein aufregendes Jahr zu Ende gegangen: Wir hatten Krieg, wir haben Waffenstillstand, wir haben Verbindung zu meinem Vater; ich werde morgen mein Geschäft und unsere Wohnung zurückbekommen und wir hatten einen wunderbaren Braten zu Weihnachten und meine Mutter (sprich meine Oma) hat zum ersten Male in ihrem Leben Pferdefleisch genossen. Ich sehe heute noch das erschrockene Gesicht meiner Großmutter vor mir. Es ist eben alles eine Frage des Verkaufens und Servierens.


  • Autorin: Marlis Krogmann, Senioren Weihnachtsfeier 2009,
    Erinnerungswerkstatt 3. Oktober 2012
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