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Kriegstagebuch des Stabsgefreiten Werner Harms
Frankreichfeldzug im August 1944
Verlegung an die Westfront

Am Mittwoch dem 9. August 1944 fiel bei uns das Stichwort D. worauf wir uns in Marsch setzten. Am 11. August wurden wir verladen und rollten in den Morgengrauen Richtung Westen. Unsere Marschstrecke ging über Brügge Gent. In Londerzeel 20 Kilometer vor Brüssel begann am 12. August eine große Rast von achtzehn Stunden, von wo die Fahrt wieder zurückging über Gent, Kortrijk, Tourcoing, Lille. Verschiedene Tieffliegerangriffe zwangen uns dort schon zum Aussteigen.

Am Sonntag dem 13. August waren wir durch die zahlreichen zerstörten Bahnhöfe gezwungen, unseren Transport am selben Mittag auszuladen. Abends wurde unser Marsch fortgesetzt, die Marschrichtung war Péronne, wo wir um zwei Uhr landeten, auch am nächsten Abend hatten wir dieselbe Abgabe, wobei unser Quartier in Roye an der L´Avre vorgesehen war, jedoch kam das Endziel in St. Mardt(?) Saint-Mard auf einer Domäne vier Kilometer hinter Roye. Am selben Tage war auch das zweite Bataillon eingetroffen und ich bekam den Auftrag, in Gaulnes(?) die ersten Melder des Bataillons in Empfang zu nehmen. Der 17. August führte uns nach Monchville(?) Mogneville bei Longniville(?) Laigneville, dort lagen wir in einem gut gelegenen Schloss. Die Hitze plagte uns Tag für Tag und forderte manchen Schweißtropfen. Unser nächstes Marschziel wurde während der Nacht geändert und die Melderstaffel erreichte an dem Tage die Einheit nicht, bis wir am nächsten Mittag unseren neuen Gefechtsstand auffanden in Bellefontom(?) möglicherweise Belfonds. Allmählich näherten wir uns Paris, wichen aber nach Süden aus, wobei wir die Vorstadt Ville-Paris der Hauptstadt durchquerten und machten in Monchy(?) halt. Am 20. August ging unser Marsch wieder in westliche Richtung und wir trafen nach zweistündiger Fahrt über Langny(?) auf ein gutes Quartier in einem Schloss, worin Nachrichtenhelferinnen gewohnt hatten.

Zum ersten Mal stand mir hier ein schönes Bett zur Verfügung, am nächsten Nachmittag bekamen wir schon die Nachricht, dass der Feind durchgebrochen sei, worauf einige Teile des Regiments auf Autos vorwärts geschafft wurden, um einen Brückenkopf zu bilden. Unser Regiments-Gefechtsstand U.l. kam fünf Kilometer weiter wie vorgesehen und landete im Schloss La-Grange le Ruin(?). Da der Einsatz so schnell wie möglich erforderlich war, wurde unser Gefechtsstand am 22. August ins Schloss Graville Chateau Graville verlegt. Am nächsten Tage wurden die Teile des Regiments gegliedert und am Ufer der Seine eine Hauptkampflinie aufgebaut. Verschiedene Einheiten wurden uns unterstellt, der Feind griff in diesem Bereich an und es gelang ihm, den Brückenkopf am jenseitigen Seineufer zurückzudrücken. Als unsere Letzten über die Seine kamen, eilte auch der Feind schon hinterher mit seinen Panzerkräften. Da die Brücken nicht alle so schnell gesprengt werden konnten, gelang es dem Feind bei Vortemblo(?) vermutlich Fontainebleau, mit einigen Einheiten überzusetzen. Am selben Abend setzten wir zum Gegenstoß an, um seinen Brückenkopf zu beseitigen. Trotz eigener starker Verluste wäre dies fast gelungen, wir waren aber der vielfachen feindlichen Artillerie unterlegen. Ein großer Teil unseres unterstellten Marschbataillons lief zu den Feinden über. Somit wurde unsere eigene Kampfkraft geschwächt. Und da der Feind Verstärkung heranschaffte, waren wir gezwungen uns zurückzuziehen.

Unser Gefechtsstand wurde am 24. August nach Chateau La Grange le Ruin(?) zurückgelegt. Weil ein starkes Artilleriefeuer auf unseren Gefechtsstand lag, mussten wir am 25. August wiederum den Gefechtsstand um weitere zehn Kilometer zurückverlegen nach Echai-Bolenk(?) vermutlich Échouboulains. Am 26. August trat die große Absetzbewegung ein und zwar in Richtung Donnemarie(?) Donnemary- Dontilly, Provinz und St. Georges(?) Villiers-Saint-Georges, wo wir einige Stunden Rast machten. Während dieser Zeit wurden unsere Fuß- und Trosskolonnen von den JabosJagdbomber fast völlig aufgerieben. Da auch für uns die Stunde gekommen war, mussten wir fluchtartig die Stellung räumen, da uns feindliche Panzerkräfte auf den Fersen saßen. Wir erreichten das Dorf Nestli(?) möglicherweise Nesle Ile-de-France, wo eine Fahrrad-Panne eintrat, die wir zu beseitigen hatten. Während dieser Zeit waren wir fast eingeschlossen.

Unsere eigenen motorisierten Kolonnen konnten rechtzeitig entkommen, mit dem Rest stießen wir auf Feindeswiderstand. Wir versuchten einen Durchbruch, was jedoch fehlschlug, da uns die nötigen Waffen fehlten. Wir zogen am selbigen Abend nach rechts, um durchzukommen, dort trafen wir noch verschiedene Teile unserer Einheiten. Mit einer kleinen motorisierten Kolonne konnten wir das Tempo nicht halten und hielten uns eine Weile bei der Fußkolonne auf. Wir erkundigten uns nach der Marschstrecke und entschlossen uns, mit vier Mann den Marsch fortzusetzen. Wir erreichten den Stadtrand von Seganne(?) Sézanne, wo wir auf Massen feindlicher Panzer stießen und gezwungen waren, auszuweichen. Es boten sich keine günstigen Möglichkeiten, denn verschiedene Sicherungen waren seitlich rausgeschoben und wir konnten somit nicht mehr ausweichen. Wir entschlossen uns, einen Wald zu erreichen, um dort einige Stunden zu ruhen.

Als wir am nächsten Morgen aufwachten, rollten auf allen Straßen feindliche Panzerverbände. Wir warteten, bis es dunkel wurde, um ungesehen vorwärts zu kommen. Gepäck, das wir nicht ganz nötig brauchten, wurde liegen gelassen.