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Wiederbegegnung mit Ostpreußen nach 42 Jahren
oder: Studienfahrt in die (k)alte Heimat 1987
Kapitel 4: Masuren und der Oberländische Kanal

Am 24. Mai 1987 fahren wir mit unserer Studiengruppe um 07.45 Uhr vom Hotel ab in Richtung Masuren. Heute können wir vom Bus aus noch einmal die Altstadt Allensteins sehen, die gut erhalten oder restauriert ist. Allenstein ist polnischer Regierungssitz. Die alte Ordensburg soll zu besichtigen sein. Kirchen sind in gutem Zustand. Die Vororte Allensteins sind heute mächtige Neubaugebiete mit gewaltigen Wohnblöcken. Vor den Toren Allensteins arbeitet eine Reifenfabrik. Weißer Rauch steigt in den heute wolkenlosen, blauen Himmel. Die liebe Sonne scheint, es wird wärmer. Auch heute ist es wieder ein Genuss, durch die schöne ostpreußische Landschaft zu fahren. Grüne Wiesen wechseln mit gelben Rapsfeldern. Bewaldete Hügel und blaue Seen mit dunklem Hochwald. Die Landstraßen sind mit alten, dicken Lindenbäumen gesäumt. Uns fällt auf, dass auf großen Wiesenflächen meist nur eine Kuh angezäudert ist. Die Bauern erhielten in Polen nach ihrer Zwangsumsiedlung in den ostpreußischen Raum verhältnismäßig viel Land zugeteilt, das sie erst nach und nach unter den Pflug bekamen. Sie können das Land für den eigenen Bedarf nutzen, müssen jedoch je nach Größe der Familie einen bestimmten Satz der Erzeugnisse abliefern. So behalten sie nur soviel Vieh, dass es für die Familie reicht und sie nicht abzuliefern brauchen. Das Land lassen sie also zur Wiese werden, dessen Gras sie nicht benötigen und deshalb verblumt die Wiese. So kommt es, dass auf vielen Wiesen gelbe Löwenzahnblumen zu sehen sind, aber kein Vieh. Wenn der Bauer der Arbeit überdrüssig ist, gibt er das Land an das nächste Staatsgut ab und erhält dafür eine Rente zugebilligt. Ländereien der Staatsgüter fallen im Vorbeifahren auf, weil die Wiesen grüner sind und Vieh darauf weidet. Auch das Getreide hat eine gleichmäßig grüne Farbe. Offensichtlich werden Staatsgüter besser mit Kunstdünger versorgt. Die Fahrt geht über Sensburg, wo der damalige Gauleiter von Ostpreußen – Erich Koch – bis zu seinem Tode in polnischer Haft einsaß.

Um 09.30 Uhr sind wir in Nikolaiken und besteigen das für unsere Studiengruppe bereitgestellte Motorschiff. Der StinthengstDer Stinthengst (polnisch Rybi Król - Fischkönig oder auch Król Sielaw - Stintkönig) ist ein Fabelwesen, das aus den masurischen Gewässern um Nikolaiken stammt. Bei dem Stinthengst handelt sich um den König der Stinte, einer Fischart, die in den masurischen Gewässern häufig anzutreffen ist. Er ist auch das Wappentier von Nikolaiken. soll immer noch angekettet im Hafen schwimmen. Wir bekamen ihn jedoch nicht zu Gesicht. Beim schönsten Sonnenschein fährt das Schiff mit uns zum Spirdingsee, dem größten, unter den Masurischen Seen, und dreht dann ab in den Beldamsee nach Rudschany. Die Ufer der Seen sind bewaldet. Wir genießen die schöne Landschaft. Segelboote ziehen vorüber, Angler und Fischer widmen sich ihrer Arbeit. Die Gegend ist wirklich wie aus dem Bilderbuch. Um 13.00 Uhr ist die Seenfahrt in Rudschany beendet. Der Bus erwartet uns schon. Es geht weiter durch die Johannesburger Heide wieder nach Sensburg. Unterwegs sehen wir viele besetzte Storchennester. Adebar brütet, sucht auch auf den Wiesen nach Fröschen, die hier noch reichlich vorhanden sind. In Sensburg ist ein Storchennest auf einem alten Wehrturm. Der Storch wendet jedoch gerade seine Bruteier und kehrt uns das Hinterteil zu. Die Farben von Masuren sind blau, rot, grün. Blau ist der Himmel, rot die Ziegeldächer der Häuser, grün sind die Wälder und das weite Land.

In Krutinnen, am Flüsschen Krutinna, machen wir Pause. Schon vorher hatte Adam uns für eine Fischmahlzeit angemeldet. Auch Joachim und ich hatten uns auf die Fischmahlzeit gefreut. Im Lokal sind dann aber sehr viel mehr Esser als Hechtportionen. So mussten wir mit Fleisch vorlieb nehmen. Da hatten sich welche zwischen gemogelt, die sich nicht vordem gemeldet hatten. Schade! Zum Auftanken des Busses müssen wir in das Interhotel nach Sensburg. Auch dort wird von 14.50 bis 15.25 Uhr Pause gemacht. Im dortigen Intershop erstehen wir eine 0,5 l-Flasche 40%igen Wodka für einen Dollar. Der Bus fährt dann weiter nach Heiligenlinde mit dem Jesuitenkloster und der barocken Wallfahrtskirche aus dem 17. Jahrhundert. Leider müssen wir ohne Führung die Kirche besichtigen. Im Kiosk erstehen wir ein Tonband mit Orgelmusik. Um 16.35 Uhr geht’s weiter nach Rastenburg. In der Nähe ist die gesprengte Wolfsschanze Hitlers. Er leitete von dort aus den Ostfeldzug gegen Russland. Am 20. Juli 1944 wurde gegen Hitler ein Attentat ausgeführt. Von Stauffenberg stellte eine mit Sprengstoff und Zeitzünder versehene Aktentasche während einer Lagebesprechung neben Hitler ab, und verließ den Raum. Hitler überlebte leichtverletzt. Von Stauffenberg wurde hingerichtet. Wir besichtigen die gesprengte Wolfsschanze nicht, weil es eben nur gesprengte Bunker zu sehen gibt.

Bartenstein passieren wir um 17.30 Uhr und treffen um 18.00 Uhr in Heilsberg ein. Vor dem Schloss halten wir. Seit dem Mittelalter war das Heilsberger Dreieck eine Befestigungsanlage. Im 14. Jahrhundert bis 1772 war hier der Mittelpunkt des Bistums im Ermland. Nach kurzem Aufenthalt und einigen interessanten Fotos vom Schloss fahren wir zurück nach Allenstein, pünktlich um 19.00 Uhr zum Abendessen.

Das schöne Wetter hält an. Am 25. Mai 1987 geht’s mit dem Bus um 08.00 Uhr nach Osterode. Obwohl die Sonne scheint ist die Luft kühl. Am Parkplatz neben Kühls Hotel steigen wir aus und gehen über die Straße zum Anlegesteg der Weißen Flotte im Drewenzsee. Drei Schiffe liegen dort nebeneinander vertäut. Das äußere Schiff besteigen wir. Es soll uns über den Drewenzsee, durch den Oberländischen Kanal bis zur geneigten Ebene Buchwalde fahren. An Bord ist auch ein polnisches Fernsehteam und interviewt den in Uniform erschienenen Kapitän der Flotte sowie einen Beamten des Wasserbauamtes, der uns begleitet. Später spricht er mit uns deutsch und erzählt, dass er Dirschauer sei. Die Fahrt mit dem Motorschiff geht über den Drewenzsee. An Grünortspitze vorbei, unter der Eisenbahnbrücke hindurch in den großen Drewenzsee bis zur Einmündung des Oberländischen Kanals. Ein Zeichen auf einem Mast zeigt die Kanaleinfahrt an. Der Kanal hat sein Gesicht nicht verändert, nur die Faschinen, die die Ufer schützen sollen, fehlen fast überall. So besteht die Gefahr der Versandung. Die Landschaft beidseitig des Kanals ist noch unberührt und schön. Ein Vogel- und Wildparadies ist hier schon früher gewesen. Wildschwäne, Rohrsänger, Dommeln, Reiher, Kormorane, Füchse als Eierräuber und quakende Frösche erleben wir. Die Ortschaft Liebemühl – wir nannten den Ort Kosebrumm – gleitet vorüber. Der Kirchturm in der Ferne ist unverkennbar. Auf den sumpfigen Wiesen waten Störche. Sie sind auf Futtersuche. Andere brüten in den Storchennestern, die auf den Dächern der Häuser sind. Der Duzkanal, der zum Thardensee führt, ist nach Auskunft des Herrn vom Wasserbauamt noch befahrbar. Leider wurden die alten, schönen Bäume gefällt, die den Duzkanal in einen grünen Tunnel verwandelt hatten. Er erzählte, dass an den Ufern des Thardener Sees noch Reihernester zu finden sind. Das Schiff stoppt, weil wir eine versandete Stelle im Kanal nicht passieren können. Zwei Arbeiter bemühen sich, mit einem Kran diesen Engpass zu beseitigen. Wir haben schon Bedenken, dass unsere Seefahrt hier enden könnte, doch mit Hilfe langer Stangen gelingt es, das Schiff über die Sandbank zu schieben. Zwei Schleusen passieren wir. Die erste um 10.20 Uhr, die zweite um 11.05 Uhr. An der ersten Schleuse sind das Fernsehteam und der Kapitän von Bord gegangen. Wir passieren Maldeuten. Im See, den wir durchfahren, ist eine kleine sumpfige Insel, die voller Möwennester ist. Nach sechs Stunden Kanalfahrt sind wir um 15.20 Uhr am ersten Rollberg. Hier in Buchwalde wird ausgestiegen. Die Fahrt ist zu Ende. Bis Elbing sind es fünf Rollberge, die überwunden werden müssen. Der Höhenunterschied beträgt etwa 100 Meter. In diesem Jahr sind die Rollberge für den Verkehr noch nicht freigegeben. Angeblich sind die Turbinen in Reparatur. Die Fahrt mit dem Schiff über die Rollberge von Osterode bis Elbing würde neun Stunden dauern.

Die Funktion der RollbergfahrtRollberge (auch Rollbrücken genannt) ersetzten früher regional Schleusen und dienten der Beförderung von Schiffen über Land zwischen zwei Kanälen oder Wasserstraßen mit ungleichem Wasserspiegelniveau. Rollberge waren auch Vorläufer der Schiffshebewerke. Die vertikale Hebung geschieht durch den Transport auf einer im Kanalbau geneigte Ebene genannten Rampe.Siehe Wikipedia.org ist folgende: Das Schiff fährt auf den weit im Wasser auf Schienen stehenden Transportwagen und wird festgemacht. Mit Wasserkraft werden die Transportwagen an Drahtseilen, die über Rollen laufen, über den Berg gezogen. Als Gegengewicht kommt von der anderen Bergseite ein Transportwagen - besetzt oder leer – hinauf, einer Standseilbahn ähnlich. Der Ingenieur Georg SteenkeGeorg Steenke (* 30. Juni 1801 in Königsberg (Preußen); † 22. April 1884 in Elbing; vollständiger Name: Georg Jakob Steenke, im Nachruf Georg Gottlieb Steenke genannt) war ein deutscher Wasserbauingenieur und preußischer Baubeamter, der vor allem als Konstrukteur des Oberländischen Kanals in Erinnerung geblieben ist.Siehe Wikipedia.org ist der Erfinder und Konstrukteur der Rollberge gewesen. Als Schulkinder sind wir schon alle mal über den ersten Rollberg bis Buchwalde gefahren. In Buchwalde erwartet uns schon unser Bus. Herr Kliche hat schon die Würstchen für die Zwischenmahlzeit heiß gemacht, damit wir nicht verhungern. Beim polnischen Förster, der auch deutsch spricht, kaufen wir Lindenblütenhonig. Ein Kilo kostet 7,50 DMark. Um 16.00 Uhr fahren wir über Maldeuten, am ehemaligen Gut des Grafen von Goltz vorbei nach Mohrungen. Auf dem Marktplatz ist Rast. Das Rathaus mit der aus dem ersten Weltkrieg stammenden Beutekanone ist gut erhalten. Auch die gegenüberliegende Kirche. früher diente sie evangelischen Christen als Gotteshaus, macht einen guten Eindruck. Heute ist sie katholische Pfarrkirche. Zwei Pater bemühen sich, in eine laute Kinderschar in der Kirche Ordnung zu bringen. In Mohrungen steht ein Denkmal von Johann Gottfried von Herder. Theologe und Schriftsteller, im Jahre 1744 in Mohrungen geboren. - Um 18.00 Uhr sind wir wieder in unserem Hotel in Allenstein. Am 26. Mai 1987, nach dem Frühstück geht unsere Busfahrt nach Frauenburg über Guttstadt, Mehlsack, Peterswalde. Der vielen Störche wegen, denen wir auf der Fahrt wieder begegnen, fällt Ulla dieses Rätsel ein: Auf unsrer Wiese gehet was, watet durch die Sümpfe. Hat ein schwarz-weiß Röcklein an, trägt auch rote Strümpfe. Fängt die Frösche – schwapp, schwapp, schwapp –, klappert lustig – klapper di-klapp –, wer kann das erraten? – Wir kommen durch die Ortschaft Landsberg, wo Adam Brote kauft und fahren nach Braunsberg.

Alle hier gelegenen Ortschaften waren 1945 Kampfgebiete und wurden bis zu 90 % zerstört. Die russische Demarkationslinie ist 15 km weit entfernt. In diesem grenznahen Gebiet wird von Seiten der polnischen Regierung nicht viel für den Wiederaufbau historischer Gebäude getan. Bei der Weiterfahrt passieren wir die alte, ehemalige Autobahn Elbing-Königsberg, die heute brach liegt. Kühe weiden dort, wo einst reger motorisierter VerkehrAnmerkung der Redaktion:
Das gehört zu den Legenden, die durch das NS-Regime verbreitet wurden (Siehe Zeittafel der Machtübernahme 1933 inszenierter erster Spatenstich Autobahnbau am 23.September 1933). Es gab kaum Fahrzeuge, die diese Autobahnen hätten benutzen können. Der sogenannte KDF-Wagen wurde nie in Serie gebaut, auch das war eine Legende. Siehe dazu auch die Zeittafel der Machtübernahmen 1933
war. Um 11.15 Uhr sind wir in Braunsberg, die heutige polnische Grenzstadt zur Sowjetunion. Kurze Zeit später kommt das Frische Haff in Sicht. Die Sonne meint es gut und die Sicht könnte nicht besser sein. Nun erreichen wir Frauenburg und fahren auf den Bushalteplatz neben der Burg. Der auf der Anhöhe erbauten Frauenburg und Kirche gilt unser Besuch. Wir erhalten einen jungen Mann als Fremdenführer zugewiesen. Der Deutsche Ritterorden erbaute im 14. Jahrhundert vorerst die Kirche, die durch Holzpalisaden gegen Angreifer geschützt war. Später wurden um die Kirche eine dicke Backsteinmauer mit Wachtürmen und eine Zugbrücke über den Wassergraben gebaut. Die Anlage ist unbeschädigt oder restauriert. Nicolaus Copernicus (1473-1543) war hier als Domherr tätig. Er war vielseitig interessiert und ein Hobbyastronom. Er lehrte und stellte fest, dass sich die Planeten um die Sonne bewegen und löste mit dieser Lehre die Theorie des Claudius Ptolemäus (87-165 n.Chr.) ab, der die Erde als Mittelpunkt der Welt in seinen Karten darstellte. Copernicus soll unter seinem Altar in der Frauenkirche seine letzte Ruhestätte gefunden haben. Bewiesen ist das aber nicht.

Die Orgel wird von der Organistin zur Demonstration gespielt. Sie hat einen wunderbaren Klang. Die Vielseitigkeiten des Orgelspieles werden von ihr aufgezeigt: Glockenklang, Vogelstimmen, Tierlaute. Die Orgel ist zweigeteilt im vorderen Altarraum und auf der hinteren Empore. Die Akustik ist hervorragend. Wir kaufen bei der Organistin eine Schallplatte mit einem Orgelkonzert für 5,- DMark. Im Schlosshof spielen Millionen von Mücken. Wir besteigen den Turm an der Wehrmauer und haben von hier aus einen weitreichenden Blick über das Land und das Haff. Auf einem der unteren Wehrtürme ist ein Storchennest. Die Störchin sitzt brütend auf den Eiern.

Karte von Ostpreußen

Ostpreußen und das Oberland. Klicken Sie auf den rechten Schalter VollbilDMarkodus und scrollen Sie mit dem Scrollrad Ihrer Maus in die Panorama-Karte.

Copernicus ist auch Polens Volksheld. Auch in Deutschland wird er als Deutscher verehrt. Im Turmzimmer zeigt ein Bild Copernicus als Astronom in Frauenburg, arbeitend mit einer Winkelmethode. Die frühere Holztreppe im Turm mit der gesamten Inneneinrichtung wurde ein Raub der Flammen. Jetzt befindet sich dort eine Steintreppe. Von Frauenburg war eine Schifffahrt über das Haff nach Kahlberg vorgesehen. Leider wurde es spät und das Schiff fuhr nicht wie geplant. So entschließen wir uns, per Bus zur Frischen Nehrung zu fahren. Um 15.00 Uhr durchqueren wir Elbing, polnisch: Elbląg. Eine Orientierung am alten Stadtbild ist nicht mehr möglich. Die Stadt war als Kampfgebiet bis zu 60 % zerstört und wurde neu aufgebaut. Das Markttor steht, eine Kirche ist auch zu sehen und die Straßenbahn fährt durch die Stadt wie einst. Heute hat Elbing 110.000 Einwohner. Die Elbinger Niederung ist wirklich flach wie eine Ebene. Die Störche fühlen sich hier allem Anschein nach wohl. Raps wird sehr viel angebaut. Auf den großen Wiesen sieht man auch hier wenig Vieh. Im hiesigen Marschland wurden früher hauptsächlich Kühe gehalten. Auch hier sieht man viele Löwenzahnblumen, die zwar des Menschen Auge erfreuen, jedoch als Viehfutter nicht viel Wert haben. Die Nogat, ein Arm der Weichsel, der ins Frische Haff mündet, wird überquert. In Stegen erreichen wir um 15.30 Uhr die Ostsee, dort wo die Frische Nehrung beginnt. Wir wandern am Strand entlang in dem weißen feinen Ostseesand. Wir suchen Muscheln und halten natürlich auch nach Bernsteinstückchen Ausschau. Joachim fand ein winzig-kleines Stück. Auch eine Dame unserer Studiengruppe fand weiter längs eine kleine Handvoll Bernsteinstücke.

Adam hatte Glück und fand im Sande einen Ostseebutt – auch Flunder genannt. Sicherlich hatten die Fischer ihn aus dem Netz verloren. Später in Allenstein ließ er sich den Fisch braten und verspeiste ihn mit sichtlichem Behagen. Die Weiterfahrt mit dem Bus geht auf der Haffseite bis Stutthof, wo früher zur Nazizeit ein KZ war – heute eine Gedenkstätte. Auf der Rückfahrt haben wir eine Fotografierpause an der alten Fachwerkkirche von Stegen eingelegt. Um 17.30 Uhr geht es an Elbing vorbei in Richtung Osterode. Rechts von uns liegt der Drausensee. Wir fahren über Liebemühl nach Pillauken am Drewenzsee. Die Pillauker Gastwirtschaft, vormals Schulz, ist abgebrannt aber an alter Stelle wieder aufgebaut. Das Gästehaus weiter hinten steht noch. Später stellten wir beim Vergleich alter Fotos fest, dass der Dachstuhl erneuert worden ist. Er ist heute anders geformt. Auf der gegenüberliegenden Seite der Straße steht noch Doschens Haus und dahinter das alte Stallgebäude. Wir fotografieren alles. Auch am Anlegesteg im Drewenzsee wird ein Bild zur Erinnerung gemacht. Früher legten dort Osteroder Schiffe planmäßig an. Es sieht alles so schön aus, wie früher. Um 18.30 Uhr fahren wir weiter in Richtung Osterode, an der Einmündung nach Locken, Tharden und Eckschilling vorbei. Dort wo einst das Lokal Roter Krug stand, ist heute eine leere Stelle. Durch den Wald sieht man das Wasser des Pausensees schillern. Der Rote Krug war seinerzeit ein beliebtes Ausflugslokal, in nur zwanzig Minuten von Osterode aus zu erreichen. Ein schöner Spaziergang. Wir folgen der neuen Umgehungsstraße, die in Höhe der Pferderennbahn links am Pausensee vorbei geht und Osterode rechts liegen lässt. Sie ist als Autostraße gebaut und führt über Hohenstein nach Warschau. Wir fahren über Hohenstein nach Allenstein. Im Vorbeifahren sehen wir noch einmal unser Haus. Roonstraße 25, im Kasernenbereich liegen. Dann entschwindet Osterode unseren Blicken. Um 19.30 Uhr sind wir wieder im Allensteiner Hotel.


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