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1949 bis 1989 - 40 Jahre DDR

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Leben in der DDR — 40 Jahre Diktatur
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Nachkriegskindheit in Ost-Berlin
Stacheldraht und Mauerbau

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  1. Zwischen Trümmern und Tram-Schienen
  2. Das alte Haus in Köpenick
  3. Der Rotweinsonntag
  4. Der Kochlöffel als „Erziehungshilfe“
  5. Milch und Lebertran in den 1950ern
  6. Volksaufstand in Berlin 1953
  7. Die Sintflut
  8. Brennholz für Kartoffelschalen
  9. Der letzte Weihnachtsmann
  10. Der Spätheimkehrer
  11. Stacheldraht und Mauerbau
Wiener Brücke 1989Wiener Brücke und die Mauer auf der östlichen Seite des landwehrkanals 1989 [Foto: Roehrensee, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons] Wiener Brücke 1989Blick über den Landwehrkanal auf Mauer und Fußgängerbrücke (Ersatz für die 1945 gesprengte Wiener Brücke) im Dezember 1989 [Foto: Roehrensee, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons]

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Nachkriegskindheit in Ost-Berlin
Kapitel 11

Christel Dux

Stacheldraht und Mauerbau – Berlin 13. August 1961

Die erste Woche nach dem Bau der Mauer war nun um. Meine Mutter arbeitete in West-Berlin in einer Näherei in der Alexandrinenstraße. Dort holte ich sie öfters freitags ab. So auch an dem Freitag vor dem Mauerbau. Wir Menschen spürten überhaupt nichts Ungewöhnliches, weder Ansammlungen von Soldaten oder eine Zunahme von Soldaten im Stadtbild, es schien alles wie immer.

Beim letzten Besuch bei Tante Gerda und Onkel Alex durfte ich Pumps anziehen. Es regnete unterwegs und ich schwappte immer aus den Schuhen. Ich lief, und der Schuh blieb stehen. Ich musste zurück, um den Schuh wieder anzuziehen, und mein Fuß war nass, weil ich immer in die Pfützen trat. Wir waren nur als Besuch ohne Feier angekündigt. Als wir in der Wiener Straße ankamen und bei Tante Gerda und Onkel Alex klingelten, war, oh, wie wir staunten, die jüngste Schwester meiner Tante und meiner Oma da. Nach einigen familiären Unstimmigkeiten wollte sie sich mit Gerda versöhnen. Das mit der Versöhnung klappte, und August und Anni gingen mit uns heim, denn sie wohnten auch in Köpenick.

Nun gab es große Aufregung am 13. August 1961. Zu dieser Zeit war gerade meine Cousine mit Freund in Berlin im Urlaub. Ingrid schlief bei uns und ihr Freund fuhr jeden Abend zurück nach West-Berlin, um bei seinem Bruder zu schlafen. Was natürlich nach dem 13. August nicht mehr ging, da die Grenze dichtgemacht wurde. Was jetzt? Auch Ingrids Freund musste deshalb bei uns über Nacht bleiben, obwohl ihm dies mächtig gegen den Strich ging. Unverheiratet auf Papas Couch, das war doch absolut nicht schicklich. Aber Walter Ulbricht hatte so entschieden und den Mauerbau befohlen. Natürlich sind sie beide am Montag gleich zurück nach Döbberin im Kreis Seelow gefahren, wo Ingrid wohnte. Ihr damaliger Freund wohnte irgendwo in einem anderen Dorf. So gut, so schön. Meine Cousine fuhr nach Hause, meine Mutter war schlagartig arbeitslos, die Straßen wurden entlang der Grenze zugemauert und Tante Anni war schockiert, weil die große Versöhnung nun erst einmal am Stacheldraht hängen blieb.

In der Woche kam dann Tante Anni und fragte meinen Vater, ob er mit ihr einmal um eine bestimmte Zeit zur Wiener Brücke fahren würde. Sie wollte dort ihrer Schwester im Westen zuwinken. Wir hatten damals gerade unser erstes Auto bekommen, einen Škoda. Papa war einverstanden, und so fuhren wir alle nach Treptow zur Wiener Brücke, nahe des Bahnhofs Plänterwald. Die Brücke gehörte in ganzer Länge zu Ost-Berlin, doch wurde sie bereits auf unserer Seite mit Stacheldraht versperrt. Zwei Soldaten mit geschultertem Gewehr bewachten die Grenzsperre. Dort angekommen staunten wir, wie viele Leute vor der Brücke standen, durcheinander riefen und den Menschen am Westufer zuwinkten.

Ich stand neben Anni und alle winkenden Leute riefen etwas Richtung Westen: „Was?“ „Was?“ „Ja!“ „Ja!“ und gingen dabei schrittweise näher auf die Grenzer zu. Da sagte einer dann zwei-, dreimal „Gehen Sie zurück!“ Aber wer achtete schon darauf? Außerdem standen die Leute hier wie drüben dicht an dicht. Da riss einer der Grenzer auf einmal sein Gewehr von der Schulter und zielte auf uns. Ich stand genau vor ihm und sein Gewehr zielte direkt auf mich. Ich höre heute noch das laute Stöhnen und die „Ohs“ der Menschen, als er sein Gewehr anlegte. Wir waren alle wie betäubt und ich dachte nur: Ich bin doch erst 13 und keiner erschießt ein dreizehnjähriges Mädchen. Alle anderen blieben auch wie angewurzelt stehen. Der Soldat machte wieder einen Schritt auf mich zu, alles schrie wieder auf. Der zweite Soldat versuchte ihn nun leise zu beruhigen und bat uns, ein Stück zurückzugehen. Mein Vater hatte genug und machte Schluss mit der Winkerei und dem Geschrei: „Hast du das bekommen?“ „Ich habe dir das geschickt!“ „Grüße Jonas Jonas schön.“

Bis wir gegangen sind, hat der Soldat sein Gewehr nicht abgesetzt, er stand die ganze Zeit schussbereit da und zielte auf die Menge. Solche Wink-Szenarien an der Brücke wurden danach auch schnell von der Staatsführung verboten.

Was hatten wir zwei Jahre zuvor an der Oberbaumbrücke für ein Glück mit einem Grenzsoldaten, der uns laufen ließ, obwohl meinem Vater geschmuggelte West-Zeitungen aus der Hose fielen, und er war dabei auch noch angetrunken.

Wir waren mal wieder bei Tante Gerda und Onkel Alex in der Wiener Straße in West-Berlin. Es muss so um 1959 gewesen sein, denn ich ging schon zur Schule. Tante Gerda fragte mich jedes Mal, was ich in der Schule lernen würde. Na, da gab es ja eben nur die üblichen Schulfächer und Staatsbürgerkunde. Bei mir war es nun so: Von Haus aus durfte das, was in der Wohnung gesprochen wurde, die vier Wände nicht verlassen. Es war auch gefährlich, Westkleidung zu tragen. Wir sollten alle Familienmitglieder und Fremde anzeigen, die RIAS hörten, und auch die, von denen wir wussten, dass sie diesen Sender hörten. Aus der Schule wussten wir, der RIAS sei ein Sender, der den Krieg schüre, er würde allen mit seiner amerikanischen Musik den Kopf vernebeln. Fernseher gab es damals noch nicht viele. Bei Elvis Presley sah man genau, was der Westen aus ihm gemacht hatte. Er kam als Soldat aus Amerika, damit er die DDR angreifen konnte. Sein Gesang und die neue Art zu tanzen war die reine Verblödung.

Tante Gerda in West-Berlin hatte nun immer Modezeitungen, die sich meine Mutter mitnahm, um nach den Vorlagen Kleider zu nähen. Papa interessierte DER STERN oder wie die alle damals hießen. Ich liebte die HÖR ZU mit ihrem Mecki. Die HÖR ZU sah ich mir an und las Mecki, der nach meiner Erinnerung ein Igel war. Genau weiß ich es aber nicht mehr. In der HÖR ZU war nur das Radio-Programm abgedruckt, Fernsehen kam erst in den 1960er Jahren auf. Aber einige gutsituierte Familien hatten auch schon 1958/59 einen Schwarz-Weiß-Fernseher mit kleinem Bildschirm.

Als der Besuch bei Tante Gerda beendet war, hatte mein Vater einige Schnäpse intus. Er stand auf und steckte sich die Zeitschriften in den Hosenbund. Das machte er immer so, aber immer erst kurz vor der Grenze, diesmal war er allerdings überzeugt, es ginge auch jetzt schon. Er bedachte nicht den langen Weg zur Hochbahn, die Fahrt, das Hinsetzen und wieder Aufstehen. Bei all diesen Bewegungen rutschten die Zeitschriften immer weiter herunter, was er aber nicht bemerkte. An der Oberbaumbrücke angekommen, mussten wir zum anderen Bahnhof in Ost-Berlin laufen. Auf der Brücke stand Kontrolle. Dass da ein feucht-fröhlicher Geselle ankam, bemerkte der Grenzer natürlich. Sein Kollege ging gerade weg, er musste wohl mal für kleine Tiger.

Gut gelaunt gingen wir zum Posten. Der stellte uns die Frage: „Haben Sie Zeitungen oder Lektüre aus dem Westen bei sich?“ Mein Papa sagte, frech wie er war: „Nein, nein, so etwas lesen wir doch nicht.“ „Klatsch“ machte es da und die ganze Presse am Bauch meines Vaters fiel vor die Füße des Grenzpostens. Wir standen wie angewurzelt und ich dachte sofort: Meine Eltern werden jetzt verhaftet. Ich dachte mir: Nach Döbberin gehe ich nicht, ich bleibe bei meiner Oma in der Karl-Marx-Allee und gehe dort zur Schule, bis meine Eltern wieder freikommen. Zwei bis drei Jahre wird es sicherlich dauern. Der junge Soldat war nett und sagte nur: „Heben Sie die Dinger auf und verschwinden Sie.“ Das kam erst gar nicht bei uns an, er musste es mehrmals wiederholen. Mein Vater sammelte die Zeitschriften auf und wir gingen schnell fort. Ich sah dann noch, wie der andere Soldat zurück kam und fragte, ob etwas war, und der nette Soldat den Kopf schüttelte. Diesen Soldaten würde ich gern wiedersehen und mich bei ihm bedanken. Vielleicht ist er aber auch später, wie viele andere, in den Westen geflohen.

Mir fiel ein Stein vom Herzen. Ich brauchte nicht zur Oma und nicht zur Tante Gertrud nach Döbberin.

Anmerkung zur Wiener Brücke:

Die Wiener Brücke wurde zur Entlastung der Schlesischen Brücke mit einer Stützweite von 22 m konstruiert. Als Erbauer der Brücke werden Hermann Rohde und Stadtbaumeister Paul Saminski genannt. Die Brücke war mit vier von Wilhelm Wandschneider und Adolf Kürle gestalteten Reliefs (Durchmesser ca. 180 cm) aus rotem Sandstein geschmückt, die (um Fehlstellen ergänzt) Szenen aus dem Gigantenfries des Pergamonaltars nachbildeten; ebenso waren die beiden Schlusssteine des Brückenbogens Funden aus Pergamon nachgebildet. Der einige Jahre zuvor von deutschen Archäologen unter der Leitung von Carl Humann ausgegrabene und für Berlin gesicherte Pergamonaltar war nach der Wiederzusammensetzung um diese Zeit als ein Meisterwerk der Antike erkannt worden. Der in der Stadtvertretung vorgeschlagene Name Humannbrücke konnte sich jedoch nicht durchsetzen.

Anlässlich der Berliner Gewerbeausstellung überquerte die zweite, von den Berliner Elektrischen Straßenbahnen in Betrieb genommene Linie ab April 1896, aus der Wiener Straße kommend, die Brücke in Richtung Nordosten ans Wiesenufer (parallel zur Lohmühlenstraße). Die heute in der Straßenflucht der Wiener Straße verlaufende Karl-Kunger-Straße auf der Treptower Seite gab es noch nicht, sie wurde um 1899 angelegt.

Am 23./24. April 1945 wurde die Wiener Brücke von deutschen Wehrmachtstruppen gesprengt, um den Vormarsch der Roten Armee zu behindern. Zwei der Reliefs hatten die Sprengung der alten Brücke 1945 gut überstanden. Sie wurden auf dem Friedhof in Berlin-Heiligensee aufgestellt, wobei die Szene Der sterbende Gigant Alkyoneus, besiegt von der Göttin Athena heute Hauptbestandteil eines Mahnmals ist, das der Opfer des Zweiten Weltkriegs gedenkt.

Etwa 1957 wurde an derselben, für den Verkehrsfluss wichtigeren Stelle eine Holz- und Stahlkonstruktion lediglich für Fußgänger errichtet. Dafür erhielt die Stadtverwaltung von der Teltowkanal AG eine Fußgängerbrücke, die zuvor den Teltowkanal überspannte. Mit dem Bau der Berliner Mauer auf der Treptower Seite der Brücke 1961 gehörte sie zum Grenzgebiet zwischen West- und Ost-Berlin. Sie verlor die Bedeutung als Verbindung zwischen Treptow und Kreuzberg, wurde geschlossen und verfiel, um nach der politischen Wende wieder eröffnet zu werden, bis sie im August 2000 endgültig abgerissen wurde.Quelle: Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Br%C3%BCcke_(Berlin))


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  • Autorin: Christel Dux, 16. Dezember 2025
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