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1949 bis 1989 - 40 Jahre DDR

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Leben in der DDR — 40 Jahre Diktatur
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Nachkriegskindheit in Ost-Berlin
Spätheimkehrer

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  1. Zwischen Trümmern und Tram-Schienen
  2. Das alte Haus in Köpenick
  3. Der Rotweinsonntag
  4. Der Kochlöffel als „Erziehungshilfe“
  5. Milch und Lebertran in den 1950ern
  6. Volksaufstand in Berlin 1953
  7. Die Sintflut
  8. Brennholz für Kartoffelschalen
  9. Der letzte Weihnachtsmann
  10. Der Spätheimkehrer
  11. Stacheldraht und Mauerbau

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Nachkriegskindheit in Ost-Berlin
Kapitel 10

Christel Dux

Spätheimkehrer aus russischer Kriegsgefangenschaft

Gerda war eine Schwester meiner Oma, und Alex war ihr Mann. Alex war in russischer Kriegsgefangenschaft und kam erst 1952 wieder nach Hause.

Tante Gerda wohnte und arbeitete in Kreuzberg. Onkel Alex war ein Altkommunist, und dementsprechend gefährlich war auch sein Leben während der Nazi-Zeit. Am Tag des Reichstagsbrandes am 23. Februar 1933 oder am nächsten Tag wurde er abgeholt und mit anderen Häftlingen von der SA halbtotgeschlagen. In der Zelle nebenan lag Georgi Dimitroff, erzählte er uns. An Dimitroff haben sich die Schläger nicht versucht. Onkel Alex änderte dann seine Gesinnung. Von dieser Zeit wurde viel erzählt, als er in russischer Gefangenschaft war. Nun war er wieder in so eine missliche Lage geraten, und diesmal waren natürlich wieder die Russen schuld. Ich musste immer staunen, wie gelassen der Onkel alles weggesteckt hat. „Ach, ich habe mir schon eine neue Stelle gesucht, mir hat es dort sowieso nicht gefallen. Es war nur ein Übergang, ich musste ja erst wieder hier Fuß fassen.“ Den Krieg und die acht Jahre seiner Gefangenschaft hat er nie erwähnt.

Tante Gerda und Onkel Alex waren aufgeschlossene, lustige Leute. Wir feierten viel bei ihnen, oft von Sonnabend bis in den Sonntag hinein. Sie waren mit einer Familie Pudlitz befreundet, den Mann nannte ich Onkel Pudlitz. Er hatte im Krieg sein rechtes Bein verloren und erzählte immer von den Phantomschmerzen, die er hatte. Als ich einmal unter dem Tisch saß und alle, die dort saßen, an den Beinen kitzelte, bemerkte ich, dass Onkel Pudlitz überhaupt nicht reagierte. Er zuckte kein bisschen und lachte nicht. Natürlich fragte ich, warum er nicht zuckte, und seine Antwort war: „Na Kleene, da haste mein Holzbeen jekitzelt, da spüre ich nichts.“ Alle haben mich ausgelacht, ich habe mich geschämt. Wie konnte ich das vergessen? Ich habe nie wieder jemanden gekitzelt. Wie viele lustige, feuchtfröhliche Stunden haben wir dort verlebt! Auch Silvester haben wir einmal bei Tante Gerda und Onkel Alex und den Pudlitzes gefeiert. Wieder hatte Onkel Pudlitz schreckliche Phantomschmerzen und musste deshalb gleich einen Schnaps „zur Schmerzbekämpfung“ bekommen. Onkel Alex hatte damals einen Plattenschrank mit Radio, das allerneueste Modell. Fernseher kannte damals noch keiner, aber Plattenschränke waren der „letzte Schrei“. Die kleine Schellackplatte wurde aufgelegt und es ging los. Als das Lied fertig war, drehte sich die Platte von allein um und wir hörten wieder ein paar Lieder. Vielleicht war es auch eine Vinylplatte. Ich kann mich nur erinnern, dass er vor der „Musikbox“, wie wir es nannten, saß und Platten auflegte.

Peter Alexander sang: „Das ganze Haus … Das ganze Haus ist schiefergrau bemalt“ und „Unsere Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“. „Alex, leg ’ne Platte uff!“ „Was wollt ihr hören?“ „Es gibt kein Bier auf Hawai!“ Alex legte seinen flachen Hut ab, wir hatten alle Hütchen auf. Er suchte die Platte, legte sie auf, stieß die Nadel an und die Musik begann „Es gibt kein Bier auf Hawai“ zu spielen, da machte es „KLATSCH BENG“ und allen stockte der Atem, der Onkel hatte sich statt seines Hutes eine Schellackplatte auf den Kopf gehauen, die zersprang in viele kleine Teile und landete auf dem Teppich. Nach dem ersten Schreck dann lautes Gelächter. Wir gingen erst heim, als es wieder hell wurde. Das war das schönste Silvester meines Lebens. Ich habe in meinem Leben nie schönere Weihnachten, Geburtstage, oder sogar Hochzeiten erlebt.

Aber einen Glückstag hatte ich doch – wieder einen Sonntag – im Jahre 1958 an der Grenze Oberbaumbrücke.

Tante Gerda und Onkel Alex hatten einen Garten aus Friedenszeiten an der Wiener Brücke in Treptow, die ab 1896 die Wiener Straße mit dem Wiener Ufer und dem Ortsteil Alt-Treptow über den Landwehrkanal verband. 1957 wurde an dieser Stelle eine Holzbrücke errichtet, lediglich für Fußgänger. Im Jahr 2000 wurde sie, weil sie morsch war, abgebrochen und nicht erneuert.

Wir sind damals nach Treptow mit der Straßenbahn gefahren. Dort gab es Gärten, und auch Onkel und Tante hatten dort einen Garten. Der wurde ihnen dann 1960 „abgenommen oder abgekauft“. Im Sommer 1960 waren wir zum letzten Mal dort. Der Onkel buddelte gern im Garten, was er dann später im Garten seines Sohnes weiterführen konnte, nach unserer gemeinsamen Zeit. Es war im Sommer und sehr windig auf der Straße, aber wenn wir die paar Stufen heruntergingen, empfanden wir den Wind und Staub nicht mehr so schlimm, dort war nur noch Grün und Ruhe. Wir tranken Kaffee und aßen Kuchen und die Männer tranken Obstwein, denn auch Onkel Alex winzerte. Er lernte damals meinen Vater an. Gerda meinte zu Mutti, dass sie mal schnell in den HP-Fleischer gehen muss, um etwas Wurst zum Abendbrot zu holen. Es war nicht geplant, so lange draußen zu bleiben.

Ich ging mit Gerda und ich wartete draußen. Der Laden war ziemlich voll, schon draußen standen viele Leute in einer Schlange. Das waren wir aber gewohnt. Mutti kaufte Aufschnitt, musste dann aber ihren Personalausweis vorlegen und bekam nur so ihre Ware. Tante Gerda gab ihr dann das Geld in Westmark zurück. Es war ja nicht viel, so um die drei bis fünf Mark. Viele West-Berliner gingen im Osten einkaufen, weil es für sie dort billiger war. Das ging eine ganze Weile gut, aber als wir Ostberliner nichts mehr abbekamen, schritt der Staat ein. Es durfte nur noch mit Personalausweis eingekauft werden. Bei jedem Brötchen mussten Erwachsene den Personalausweis der Eltern vorlegen, Kinder den der Eltern. Nun entwickelte sich wieder ein anderes Kaufverhalten: Vor den Geschäften warteten Männlein oder Fräulein aus dem Osten, die Kunden ansprachen und fragten, ob sie West-Berliner waren. Wenn ja, gingen sie zum Fleischer und zeigten ihren Ausweis, kauften für die West-Berliner ein und bekamen dann die paar Mark Westgeld. Das wurde erst am 13. August 1961 durch den Bau der Berliner Mauer unterbunden.


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  • Autorin: Christel Dux, im Dezember 2025
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