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Wandervogel am Dümmer See

Wir vier Schwestern waren jung und wollten die Welt kennenlernen. Wir kamen trampend bis zum Dümmer See bei Hannover. Dort lernten wir die drei Teichfrauen Antje, Frauke und Maike kennen, die uns von ihrem Jugendbund, den Wandervögeln der Bündischen Jugend erzählen. Wir waren begeistert.

Wir traten ein und wurden Mitglieder. Von nun an trampten wir so oft es ging zum Ludwigstein, der Jugendburg für die Bündische Jugend im Werratal.

Am Abend sangen wir viele unserer Lieder am Lagerfeuer, waren aber punkt zehn Uhr in der Jugendherberge. Der Herbergsvater schloss pünktlich ab. Er war streng und ließ nicht mit sich spaßen. Es gab harte Arbeitsstrafen von ihm für Verspätung.
De Welt düch nich ohn Tucht un Moat.

In unserem Schlafsaal schliefen die meisten Mädchen schon, als einige von uns Flüstertöne am Fenster hörten. Es stand eine Gruppe Jungen draußen. Sie waren zu spät gekommen und baten uns, sie durch unseren Schlafsaal einzulassen oder die Türe der Herberge zu öffnen. Der Herbergsvater hatte aber auch ungewöhnliche Geräusche gehört, war die Treppen hinuntergelaufen, schaute zum Tor hinaus, sah aber nichts und niemanden.

Die Jungen waren blitzschnell durch die Fenster in den Schlafsaal der Mädchen gesprungen und lagen nun in den Betten bei den Mädchen, gut getarnt und behütet unter den Decken. Der Herbergsvater leuchtete kurz mit der Taschenlampe in den Mädchenschlafsaal. Es gab nichts zu tadeln, alle schliefen. Also ging er halb schlafwandelnd wieder in seine Wohnung zurück.

Die Jungen schlichen leise wie die Mäuse in ihren Schlafsaal für Jungen.
Wenn de Katte weg is, dann danzt de Müse up de Dischke.

Trepp ab und Trepp auf

Wir schrieben eine Klassenarbeit. Ich war sehr aufgeregt und musste darum dringend aufs Klo. Unsere Abiturklasse war unter dem Dach, die Toiletten drei Stockwerke tiefer im Keller. Ich raste die vielen, vielen Treppenstufen hinunter und kam so schnell ich konnte wieder hinauf, nahm zwei oder drei Stufen auf einmal. Als ich atemlos fast oben war, winkte mich eine Lehrerin herbei und gebot mir, noch einmal in den Keller hinab zu steigen und dann gesittet die Stufen, – Stufe für Stufe hinauf zu kommen.

Ich musste widerspruchslos gehorchen. Dann schellte es – und ich hatte die Klassenarbeit verpasst – verpatzt!
Woar Qualm is, daar is dat Fuer nich mehr wiet.