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Unsere Fahrt nach Oslo 1925 — Der letzte Konferenztag

Unsere Fahrt nach Oslo 1925
Teilnahme an der Allgemeinen Evangelisch-lutherischen Konferenz
Der letzte Konferenztag

Sonnabend [5. September], den letzten Konferenztag, waren Spezialkonferenzen vorgesehen. Wir hatten vorgenommen, uns dieselben zu schenken. Eva hatte verabredet, sich mit Pfarrer Leibold zu treffen. Ich wollte D. von der Trenck wegen der Bergenfahrt sprechen. Deshalb ließ ich mich vom Chauffeur nach dem Diakonissenhaus fahren, wo ich denselben zu treffen gedachte. Bei der Gelegenheit hörte ich dort noch den Vortrag Hardelands über Auswanderermission, den derselbe in den von Bischof Raffay-Budapest geleiteten Spezialkonferenz hielt und der mir noch manches interessant und erfreuliche gab. Nachdem ich mit von der Trenck das Nötige erledigt, begab ich mich zur Universität, wo ich Eva um elf Uhr treffen wollte. Da sie nicht zur Stelle war, nahm ich die nächsten Umgebungen der Universität noch in Augenschein, wozu ich in den Tagen vorher keine Zeit gehabt, da ich auch in den Pausen zwischen den Vorträgen mit dem und jenem gesprochen, und sah mir die vor dem Nationaltheater stehenden Standbilder Ibsens und Bjørnsons an. Endlich um halb zwölf Uhr kam sie mit Leidhold an, ganz entzückt von dem Blick vom Ekeberge im Osten der Stadt, auf den sie soeben gewesen. Sie hatten mir nach dem Diakonissenhause telefoniert, dass ich erst später kommen möge, aber das Gespräch war mir nicht übermittelt worden. Eva meinte, ich müsse unbedingt auch da hin, und da wir Zeit hatten und sie den Blick noch gern zum zweiten Mal genießen wollte, beschlossen wir, uns noch einmal dahin aufzumachen. Wir verabschiedeten uns also von Leidhold und bestiegen die Elektrische, die uns durch das alte Oslo, von dem jetzt die ganze Stadt den Namen hat, hinaufführte, wo wir eine Weile sitzen blieben, uns an dem Anblick weidend. Es war ungefähr dasselbe Bild, das wir bei unserer Ankunft gehabt, nur noch umfassender, weil von höherem Standpunkt. Auch sahen wir nun alles mit mehr Verstand. Dann begaben wir uns zu Fuß hinab, da wir von unseren Gastgebern zu Mittag eingeladen waren. Wir verlebten noch eine gemütliche Stunde bei Tisch und einer Tasse Kaffee und verabschiedeten uns von der liebenswürdigen Familie, da wir, am anderen Morgen früh abreisend, nicht mehr erwarten konnten, sie zu sehen, um am Schlussgottesdienst in der Vår Frelsers kirke teilzunehmen. Bischof Cummerus aus Helsingfors hielt die Predigt über 1. Korinther 3,21-23Daher soll sich niemand eines Menschen rühmen. Denn alles gehört euch; Paulus, Apollos, Kephas, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: Alles gehört euch; ihr aber gehört Christus und Christus gehört Gott. [29] auf Finnisch und übersetzte sie dann selbst in tadelloses Deutsch. Dann sprach Ihmels noch ein Abschieds- und Dankeswort im Anschluss an den apostolischen Gruß 2. Korinther 13,13Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! [30].

Wir gingen dann och in das Handwerkerhaus, den gewöhnlichen Treffpunkt der Konferenz, zu einem Abendimbiss und waren dort noch eine Stunde mit Onkel Friedrich zusammen, der entschlossen hatte, sich an der Autofahrt nach Bergen zu beteiligen.


[29] Daher soll sich niemand eines Menschen rühmen. Denn alles gehört euch; Paulus, Apollos, Kephas, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: Alles gehört euch; ihr aber gehört Christus und Christus gehört Gott.
[30] Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!