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Unsere Fahrt nach Oslo 1925 — Abreise

Unsere Fahrt nach Oslo 1925
Teilnahme an der Allgemeinen Evangelisch-lutherischen Konferenz
Abreise

Wir hatten noch gerade sechs Stunden Zeit, bis unser Zug nach Trelleborg abging. Die benutzten wir, um zunächst dem kunstgewerblichen Museum einen Besuch abzustatten, das ja natürlich Eva besonders interessierte und in Keramik, Porzellanmalerei, Gold- und andere Kunstschmiedearbeit wie Bekleidungskunst mannigfaltiges und interessantes genugsam bot. Dann nahm mich von der Trenck in sein Quartier mit, aus dem er sich noch nicht verabschiedet hatte. Seine Wirtin, eine gemütliche Sächsin, lud mich zum Mittagessen ein. Zur rechten Zeit fanden wir uns am Bahnhof ein und trafen mit Eva zusammen, die es vorgezogen hatte, in der Stadt herumzubummeln und wieder auf den Ekeberg hinaufgestiegen war. Auf der Rückfahrt trafen wir noch mit einigen anderen Konferenzteilnehmern zusammen, so mit einem jungen tschechoslowakischen Geistlichen, der auch in Stockholm gewesen war. Von Göteborg bis Malmö benutzte ich wieder den Schlafwagen, was diesmal von der Trenck mit mir tat. Diesmal tat ich das mit besserem Erfolg. Eva blieb mit dem Tschechoslowaken zusammen.

Die Gegend von Malmö bis Trelleborg, die wir nun wieder bei Tageslicht durchfuhren, bot wenig Bemerkenswertes. Dass der Boden fruchtbar sei, konnten wir an den Erdschollen sehen, die unter dem Pfluge fielen.

Bei der Zoll- und Passrevision in Trelleborg fanden sich auch Jentsch und Tochter wieder zu uns, die inzwischen einer Einladung nach Schweden gefolgt waren. Die Fahrt nach Sassnitz auf dem Trajekt verlief diesmal, wiewohl wieder eine frische Brise wehte, für uns völlig ohne Seekrankheit. Eva schaffte mir sogleich einen Liegestuhl auf das Deck, auf dem ich mich ausstreckte und den ich nur zeitweilig verließ, um mich von dem Fortschritt unserer Fahrt zu überzeugen. Die schwedische Küste war etwa noch eine Stunde lang zu sehen. Nachdem sie verschwunden war, tauchte zu Rechten die Dänische Insel Møn auf, deren Kreidefelsen deutlich hervortraten. Bald darauf sahen wir auch die Küste Rügens vor uns, und um zehn Uhr drehte das Schiff vor Sassnitz bei. Ich hatte beabsichtigt, mit dem Dampfschiff nach Swinemünde zu fahren, hörte nun aber, dass das Dampfschiff nicht mehr ging. So blieb ich bis Stralsund mit Eva zusammen, um von da die Fahrt über Ducherow zu machen. Das Mittagessen im Speisewagen ließen wir uns mit Jentsch Vater und Tochter gut schmecken.

Zum Schluss aber hatten wir doppeltes Pech. Ich hatte meinen Hut auf den beiden Überfahrten über das Meer und den Autofahrten in Oslo immer sorgfältig festgehalten und wenn mir der Arm lahm wurde, lieber abgenommen und war im bloßen Kopfe gefahren, was mir die besondere Bewunderung von der Trencks eintrug. Als nun der Bahnzug in Altefähr gegenüber Stralsund auf den Trajekt gesetzt wurde, und zwar in zwei nebeneinander fahrenden Abteilungen, da der ganze Zug auf dem Trajekt nicht Platz hatte, riss mir, während ich im vordersten Wagen meiner Abteilung stehend nach den Türmen von Stralsund hinübersah, der Wind durch das offene Fenster des Zuges den Hut vom Kopf und wehte ihn über Bord in den Strelasund - ward nicht mehr gesehen.

Das zweite Pech betraf Eva. Wir hatten uns, um mit den Bekannten zusammenzubleiben, in die Berliner Wagen gesetzt. Bei der Teilung des Zuges in Altefähr war nun gerade der Berliner Wagen, in dem wir uns befanden, auf den später abfahrenden Trajekt gekommen, und als er auf dem Bahnhof in Stralsund ankam, war der Hamburger Zug gerade abgefahren. Eva hatte das Nachsehen und konnte an dem Tage nicht mehr nach Hause. Nun, wir telegraphierten, Eva von Stralsund, ich von Ducherow, an Mutter, damit sie sich nicht ängstige. Eva sah sich die schöne alte Stadt an und fuhr den Tag mit dem nächsten Zug nach Rostock, von wo sie am folgenden Mittag nach Hause kam. Mir lieh Jentsch, der zur Reserve eine Mütze mit sich führte, seinen Hut, und ich kaufte mir einen neuen am Tage drauf in Swinemünde.