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Mit dem Schlachtschiff Tirpitz in Norwegen

Vorstoß in den Norden

Wir folgen errötend den entfernteren Spuren meines alten Fischereischutzbootes Zieten, und mehr darf ich nicht sagen. Die Stimmung hat sich schlagartig gehoben, unfreiwillige Untätigkeit drückt den Soldaten. Alles hofft auf Erfolg, aber man merkt erst auf dem Meer, wie groß es ist. Beinahe hätte ich meinen Zweiten nicht mitbekommen. Im letzten Augenblick kam der Schlepper angekeucht und er jumpte beglückt an Bord. Leider hatte er 6000 Brote in der Eile nicht mitkriegen können und nun backen meine armen Bäcker Tag und Nacht. Wir haben das erste Mal etwas mehr Seegang erlebt. Wenn dieser Pott zu jumpen anfängt, hört er so bald nicht wieder auf. Die jungen Leute waren ziemlich seedoll, aber wo sollen sie es herhaben? Von der gemütlichen Seefahrt wachsen keine Seebeine. In der Macht war es eine ziemliche Klöterei, bis ich einsah, daß es besser ist, vorher aufzustehen.

12.März 1942

Heute sind die ersten Eisernen Kreuze verteilt worden für den kühnen Vorstoß nach Norden. Hauptsächlich ist die Maschine berücksichtigt worden, denn sie hat ja den stärksten Anteil am Gelingen. Die vier dekorierten Offiziere wurden mit Hallo begrüßt.

Gestern sahen wir nach langer Zeit wieder eine Wochenschau und zwar die, mit dem Durchbruch der Schlachtschiffe durch den Kanal. Sie ist hochinteressant, bringt auch viel von Dr. Todt und sein Staatsbegräbnis. Ich bin eben nicht weit gekommen, da meine Hütte tagsüber einem Taubenschlag gleicht, jetzt ist es gegen 20 Uhr, Hans Fritsche spricht.

Heute steht das ganze Schiff auf dem Kopf, denn wir haben aus technischen Gründen unseren Tag der Wehrmacht etwas vorverlegt (wir machen ihn ja sowieso ohne Publikum). Wir werden wohl auf 50.000 kommen, allein das Wunschkonzert bringt viel Spaß. Ich erlebe alles in meiner Kammer, denn ich muß zwischendurch arbeiten. Ich glaube, der Kommandant muß sich einen Bart stehen lassen, fast alle Divisionen haben gemeldet, daß die Soldaten den verlangten Betrag von 1,- spenden. Da kommen allein schon Tausende zusammen. Der Schiffsarzt muß als Diogenes in die Tonne kriechen (im richtigen Kostüm), Unteroffiziere müssen irgendwas scheuern usw. Der Kommandant hat für viel Geld etwas auf der Mundharmonika durch den Rundfunk gespielt. Dann laufen phantastisch gekleidete Männer herum und verkaufen kleine Schnäpse für 1,-. Tausende von Flaschenbier werden an Deck amerikanisch versteigert, in der Messe ergab die amerik. Versteigerung einer reizenden kleinen Kogge (Handarbeit von Soldaten) über 500,-RM. In den Zeichnungslisten für Barspenden stehen schon über 30.000 RM. Nach Erledigung meiner Geschäfte im Städtchen bin ich zunächst mit Frl. F. in Verbindung getreten. Ich habe sie zum Mittagessen eingeladen, es gab gebratenen Lachs, leider mit süßen Pellkartoffeln. Ich bin so froh, daß ich gute Kartoffeln bekommen habe für unseren eigenen Bedarf. Da ich gestern den Schlepper nicht mehr erreichte, hatte ich das erste Mal die Erlaubnis, in der Stadt zu übernachten, in einem von der Kommandantur zugewiesenen Hotel. Klein aber sauber. Ich hätte ganz gut geschlafen, wachte aber um 3 Uhr auf von einer Stimme, die beschwörend in mindestens drei Sprachen auf ein Mädchen einsprach, zum Zwecke eines bestimmten Zwecks. Er mußte es aber schließlich aufgeben, denn die junge Dame berief sich auf ihren Stand als Schwester und behauptete, im Offiziersrang zu stehen. Ein inhaltsreicher Sonntag geht seinem Ende entgegen. Meine Offiziere stehen ratlos vor Säcken von Geld. Ich hoffe, daß dieses einmalige Ergebnis durch Rundfunk bekanntgegeben wird.

Einschub Weihnachten 1941 fällt aus!
Maria ist dienstverpflichtet, Josef eingezogen,
das Christkind evakuiert.
Heu und Stroh sind von der Wehrmacht beschlagnahmt,
Die Krippe ist der NSV zur Verfügung gestellt.
Die 3 Weisen aus dem Morgenland haben keine
Einreiseerlaubnis und im Stall hat sich
Die Flak einquartiert-
Die himmlischen Heerscharen haben Redeverbot (keine Welle frei)
Und der Stern darf wegen Verdunkelung nicht leuchten,
und wegen dem alten Esel lohnt es sich nun wirklich nicht.