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Mit dem Schlachtschiff Tirpitz in Norwegen

Einladung an Land

Wir hatten eine Einladung an Land als Folge unserer Einladung beim General. Die Offiziere dieses Stabes haben dicht bei der Stadt eine kleine Villa und dort waren wir eingeladen zum Kartoffelpuffer essen, zu dem wir einige notwendige Zutaten mitbrachten. Oberst Zank (Verwandter des Malers Angelo Zank) ist ein prächtiger Major da, außerdem die drei Damen des Kommandos, von denen ich schon schrieb und die mit einer Ordonanz den Küchendienst übernahmen. Von uns mein Zweiter, ein Oberassistenzarzt, der so schön malen kann und ich. Es wurde erst Kaffee (von uns) getrunken, dazu hatten die Damen Obsttorten gebacken. Die Puffer wollten erst nichts werden, die Kartoffeln waren nicht fein genug gerieben, dann wurde es mit einem Zusatz von Mehl erzwungen. Es war sehr lustig und es wurden im tiefverschneiten Garten noch Aufnahmen gemacht. Wir überraschten unsere Gastgeber damit, daß wir plötzlich in weißen Jacketts auftraten, die wir mitgebracht hatten. Es war auch sehr nötig, da stark eingeheizt war. Um ½ 12 fuhren wir mit dem Autobus wieder davon, froh, mal etwas anderes erlebt zu haben.

Ich sollte für den Kommandanten dringend in die Stadt, die üblichen Verkehrsmittel waren schon routinemäßig fort und ein Bordflugzeug, das ich leicht hätte in diesem Fall bekommen können, konnte nicht starten, da über der Stadt Nebel gemeldet war. Es ist milde geblieben, einige Grade über Null und ich lebe nun auf, da ich ja kein Freund großer Kälte bin. Ich bekam aber ein schnelles Sonderfahrzeug von der Fliegerei, das mich dann in einer guten Stunde direkt zu der Vorstadt brachte. Der Kapitän hatte mir seine hübsche Kabine zur Verfügung gestellt, da saß ich dann, lauschte dem Radio, las ein Illustriertes Blatt. Nach Erledigung meiner Geschäfte, die allerdings dringende Telefonate mit sich brachten, es ist hier eine Menge zu organisieren, wanderte ich in tief schneevermatschter Straße bergauf zur Endstation der Straßenbahn. Die Triebwagen sind modern, wie in Berlin, von der Mitte aus betretbar, die Sitze nach einer Richtung und ledergepolstert. Viele Skiläufer beiderlei Geschlechts fahren in ihren bunten Mützen, Schals und Pullover mit, die Skis werden außen an einer besonderen Halterung am Wagen befestigt. Ich ging dann sehr hungrig zu dem Hotel, aß dort im Palmengarten eine Karbonade (ganz selten, daß man ein Stück Fleisch bekommt) und trank eine Brause dazu, weil das gräßliche sog. Bier nicht schmeckt. Dann machte ich Frl. F. die wie das ganze Kommando im Hotel wohnt, einen Besuch und es traf sich gut, sie erwartete Gäste zum Kaffee (echten) und ich blieb mit Freuden. Es kamen noch 2 Herren vom Stabe und eine Dame und ich verbrachte einen angenehmen Nachmittag, der mir auch dienstlich etwas einbrachte, da die Herren mit der Heeresverwaltung zu tun hatten, mir die Schau ihrer Betriebe und evtl., Bezüge daraus anboten. Ich wieder konnte mit einer Bordeinladung winken, die sich allerdings zum Leidwesen der Damen nicht auf diese erstrecken durfte. Wir dürfen nur berufstätige Damen an Bord nehmen, also K.D.F. Ich wanderte dann um 5 Uhr, als der Dienst alles auseinander trieb, durch die Stadt, die hoffnungslos vermatscht war. Ungeheure Schneeberge tauten überall, ich schlurfte und rutschte zum uralten Krönungsdom, konnte ihn aber nur umkreisen, da er von 12-13 Uhr offen ist. Er soll herrlich innen sein, außen sind immer viele Gerüste, wie beim Kölner Dom. Kaufen konnte ich nichts, denn die Faulpelze hier machen schon um 3 bzw. 4 zu, ebenso wie sie im Zeitlupentempo Schnee schippen, wenn überhaupt. Abends ging ich in ein Restaurant und zerriß ein halbes Schneehuhn (eigentlich ein Schneesperling). Um 9 fuhr ich mit dem Urlauberdampfer zurück, in zeitweiligem Nebel ging es nicht so schnell, so waren wir denn endlich gegen 11 Uhr da. Dann habe ich noch das Nötigste mit meinem Proviantmeister beraten, mit ihm ein gutes deutsches Bier getrunken und totmüde ins Bett gefallen. Eben war Ruhe im Schiff – Licht aus im Anschluß an Lili Marleen, die allabendlich durch Rundfunk ihr Lied von der Platte singt.

Die Sonne ist über Tage schon stärker und das schräge Licht gibt entzückende Bilder auf den mit Fichten und Birken bewachsenen Steinhängen: Manchmal weiß man gar nicht, wie so ein knorriges Bäumchen Halt und Nahrung in einer Felsspalte finden kann. Besonders das Abendrot malt auf Wasser und Bergen leuchtende zarte unwirkliche Farben (Tinten!). Der Kommandant bekam von seinem Sohn plötzlich Nachricht, daß seine Frau im Lazarett läge. Er war sehr aufgeregt und erfuhr dann bald, daß sie eine schwere Operation glücklich hinter sich hätte. Ich habe sein volles Vertrauen, er sagt mir unter 4 Augen alles und darüber bin ich sehr froh, denn manchmal fehlt es durch die vielen Spannungen an echter Kameradschaft und das ist schlecht bei der vielen Arbeit, die nicht weniger geworden ist, seit ich nebenamtlich Verbands-Verwaltungsoffizier bin. Aber solche Arbeit mache ich lieber als den Kleinkram.

Wir haben eine neue Feldpostnummer erhalten: M 30162. Es ist nichts ungewöhnliches, die alte läuft noch eine gewisse Zeit nebenher. Ich hatte das unbedingte Bedürfnis, am Sonntag mal alles hinter mir zu lassen und nach 14 Tagen andere Menschen zu sehen. Beinahe wäre es noch schief gegangen, denn ich hänge jetzt von 2 hohen Vorgesetzten ab und bin nun eben mal aus einem kleinen Rädchen ein großes geworden. Aber bis 10 Uhr war auch das geklärt und das letzte erledigt, so konnte ich denn mit dem Boot an Land in den wartenden Omnibus, der uns in etwa zwei Stunden zum Städtchen brachte. Es hatte am Morgen geschneit, sich aber wieder etwas beruhigt, ferne schien die Sonne auf die schneebedeckten Berge, ein wunderschönes Bild. Und nicht sehr kalt, der Wagen an den Fenstern zum ersten Mal nicht vereist, sodaß man die Landschaft, mit Neuschnee dick bedeckt, betrachten konnte. Wir, das waren mein Zweiter, der große Maler Dr. Steen, sehr sympathisch und meine Kleinigkeit. Als vierter trat nachher noch ein Oberleutnant d.R. dazu, Weltkriegsteilnehmer, aber nicht von ungefähr, sondern als Anstandswauwau. Wir hatten nämlich beschlossen, die drei Damen des Stabes einzuladen. In einem Hotel, dem Palmengarten wurde gegessen. Ohne die Damen, die im Kasino aßen. Es gab ein Schneehuhn, das ich sehr liebe. Es sollte nun in die Berge gehen, und ich hatte mich auf die Wanderung gefreut. Wir fuhren mit der Straßenbahn bis an die Stadtgrenze, dann ging es hinauf an hübschen Holzhäuschen vorbei, viele Skifahrer in buntem Zeug kamen uns entgegen. Da fing es langsam wieder an zu schneien, es wollte gar nicht aufhören und nahm so eine Wucht an, es wurde ein Schneesturm, wie ich ihn noch nicht erlebte, die Massen schütteten und peitschten, daß man von einer stämmigen Fichte unter die andere flüchtete, es kam aber von allen Seiten, man verlor den Weg, verkrustete an Haar, Wimpern. Es war ein Kampf, und dafür waren wir mit normalem Zeug nicht angezogen. Ich habe im Stillen das Hinkebein bewundert, das sonst ganz tapfer laufen kann. Nach 2 Stunden kapitulierten wir und begaben uns reumütig an die Haltestelle. Leider kam aber keine Bahn, da wir nasse Füße hatten, liefen wir schnell ins Hotel, wo wir die Schuhe an der Heizung trockneten und zu Atem kamen. Aber es war doch schön, denn es machte Spaß, mal im Kampf mit den Elementen zu stehen und hat mich sehr erfrischt.

Was Kurt Voigt nicht schreiben durfte:

Die Tirpitz wurde das Flaggschiff der Norwegen-Kampfgruppe unter Vizeadmiral Ciliax (ab Juni 42 unter Vizeadmiral Kummetz).

Am 24. Februar 42 begab Admiral Ciliax sich mit seinem Stab an Bord der Tirpitz, um weitere Einsätze zu dirigieren. Tirpitz stieß vor ins Eismeer.

6. März 42: Operation Sportpalast. Mit den Zerstörern Z-25, Friedrich Ihn, Hermann Schoemann lief Tirpitz aus, um den feindlichen Geleitzug PQ 12 bei Jan Meyen abzufangen. Nachdem das deutsche Schlachtschiff den Konvoi zweimal knapp verfehlte, machte es sich auf den Rückmarsch in den Faettenfjord.

Am 9.3. wurde Tirpitz von britischen Luftaufklärern gesichtet, die ihrerseits von zwei, von der Tirpitz gestarteten Arados angegriffen wurden, ohne Erfolg. Den von der Victorious gestarteten Alvacore-Maschinen gelang es aber nicht, das mit Höchstfahrt ablaufende ständig hakenschlagende deutsche Schlachtschiff mit ihren Torpedos zu treffen. Von den 22 angreifenden Maschinen wurden 7 abgeschossen. Kurz vor dem Erreichen des Westfjordes wurde die Tirpitz noch von einem britischen U-Boot mit drei Torpedos angegriffen, konnte aber auch diesen durch raffinierte Manöver des Kommandanten ausweichen. Am 13.3. erreichte sie wieder ihren Liegeplatz im Faettenfjord.

In der Folgezeit behinderte die Ölknappheit den Einsatz der Kampfgruppe erheblich, so daß nur noch in ganz besonderen Fällen der Liegeplatz verlassen wurde. Trotz dieser Tatsache blieb Tirpitz eine nicht zu kalkulierende Gefahr für die Geleitzüge nach Musmansk, die durch schwere Einheiten der Homefleet gesichert werden mußten. Daher setzten die Engländer alles daran Tirpitz zu vernichten. Zu diesem Zweck setzten sie massiv die Luftwaffe ein. U.a. warfen sie Wasserbomben auf den Berghang, an dem Tirpitz lag und hofften, daß diese den Hang herabrollen und dann im Wasser unter der Tirpitz explodieren würden. Und sie setzten Kleinkampfverbände ein.