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Bärsdorf, 1857 bis 1864 — Gründung des Missionsvereins

Teil 2 - Bärsdorf, 1857 bis 1864

Kapitel 5 - Gründung des Missionsvereins

Die anfänglichen Differenzen mit der Diözesangeistlichkeit traten besonders auch bei der Gründung eines Missionsvereins zutage, die, ich weiß nicht, ob auf Anregen meines Vaters, geplant wurde. Während Vater Anschluss an die Berliner Missionsgesellschaft Das Berliner Missionswerk wurde 1824 als Gesellschaft zur Förderung der Evangelischen Missionen unter den Heiden gegründet, um die Missionstätigkeit zu unterstützen.Siehe Wikipedia.org [22] (jetzt Berlin I) wollte, verlangte ein Teil der Geistlichen, dem Berlin zu konfessionell war, dass die Gaben nach Basel gehen sollten. Vater ging daher selbstständig vor und gründete einen Missionsverein an der Schnellen Deichse, der alljährlich sein Jahresfest in Bärsdorf feierte.

Neues schlesisches Gesangbuch
Neues Evangelisches Gesangbuch für die Königl. Preuß. Schlesischen Lande

Das erste dieser Feste fand am 2. Trinitatissonntage 1860 statt und konnte als ein besonders gelungenes bezeichnet werden. Zu demselben wurde in der Gemeinde das Neue Schlesische Gesangbuch, das Vater unter anfänglichem Widerstande statt des Neuen Breslauer einzuführen gelungen war, gleichsam eingeweiht. Das Sonntagsevangelium vom großen Abendmahl klang durch alle Reden hindurch. Der Missionsinspektor Wellmann aus Berlin war selbst herübergekommen und hielt die Festpredigt. Größeren Eindruck machte uns aber noch die Ansprache Schians, nicht nur wegen der gewaltigen Stimmmittel, die er aufwandte, sondern auch wegen des herzandringenden Kommet, denn es ist alles bereit, das durch seine Worte immer wieder hindurchklang.

Ein besonders eifriges Mitglied des Missionsvereins war der Weber Sallge aus dem benachbarten Siependorf. Siependorf gehörte zur Parochie Steudnitz, wo ein alter Rationalist amtierte. Deshalb hielt sich Sallge mit einigen andern Siegendorfer Gemeindegliedern regelmäßig nach Bärsdorf zur Kirche. Er hat wohl auch manchen Spott dafür getragen. Wenigstens besinne ich mich, dass als wir einst eine Bestellung in Siegendorf zu machen hatten, ich glaube, beim dortigen Lehrer, der auch geistlich angeregt war, und Sallges jüngster Sohn uns dabei irgendwie behilflich war, andere Schulkinder ihn umstanden und ihm heiliger Weber spöttisch zuriefen.

Sallge hat dann nach Vaters Weggang von Bärsdorf den Verein an der Schnellen Deichse noch weiter zu halten gesucht, da Vaters Nachfolger zu den Gründern des andern Missionsvereins der Diözese Haynau gehörte und diese förderte. Auch an einem Leseverein, den Vater begründete, nahm Sallge teil. Und einst erschien er zu Vaters Geburtstag und zog ein neues Feuerzeug aus der Tasche, eine Streichholzschachtel, wie sie dort in Gebrauch waren, aber gefüllt mit Talern, als Kapital, aus dessen Zinsen alljährlich zu Vaters Geburtstag zwei Bibeln für bedürftige Schulkinder verteilt wurden.


[22] Das Berliner Missionswerk wurde 1824 als Gesellschaft zur Förderung der Evangelischen Missionen unter den Heiden gegründet, um die Missionstätigkeit zu unterstützen.